DeuAq.com >> Leben >  >> Familie

Zu viele Emojis, zu wenig echte Emotionen: Die Oberflächlichkeit der Social-Media-Liebe

Zu viele Emojis, zu wenig echte Emotionen: Die Oberflächlichkeit der Social-Media-LiebeAls erfahrene Beobachterin digitaler Kommunikation fühle ich mich oft wie eine Stimme der Vernunft in einer Welt voller virtueller Herzen. Zuneigung und Wärme sind kostbare Emotionen, die erst dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie authentisch und direkt gezeigt werden. Als zurückhaltender Mensch habe ich immer diejenigen bewundert, die ihre Gefühle offen und klar ausdrücken. Diese Fähigkeit macht sympathisch, stärkt Beziehungen und macht beliebt bei Freunden und Familie. Studien bestätigen: Ausdrucksstarke Menschen sind emotional weniger belastet und haben eine positive Haltung zu Beziehungen und Leben.

Trotzdem fällt es mir schwer, öffentliche Liebesbekundungen auf Social Media gleichwertig zu schätzen. Warum überschütten Familienmitglieder, die unter einem Dach leben, einander mit Emojis – oft sogar über dasselbe Gerät?

Warum postet Frau Bhardwaj Geburtstagsgrüße für Herrn Bhardwaj auf Facebook, statt es persönlich zu feiern? Warum verabschiedet sich Anita auf Instagram von ihrem Sohn, anstatt ihn zum College zu begleiten? Warum teilt Amit auf Snapchat ein Foto seiner behinderten Großmutter mit Herzen, statt anzurufen und 'Ich liebe dich' zu sagen?

Wenn das der neue Standard der digitalen Gesellschaft ist, gestehe ich: Ich kann ihn nicht nachvollziehen. Oft spürte ich den Druck, am Muttertag ein Emoji-Bild zu posten. Mein Newsfeed voller solcher Beiträge weckt Schuldgefühle – sogar meine Mutter fühlt sich 'unzulänglich', weil ihre Liebe nicht öffentlich gefeiert wird. Also suche ich das perfekte Zitat, füge ein Foto ein und spiele die moderne Tochter.

Früher eroberte Archies mit Grußkarten den Markt: Handgeschriebene Worte vermittelten echte Fürsorge. Diese Karten wurden zu bleibenden Erinnerungen an Reife, Liebe und Verlust – gelb und vergilbt, doch unvergessen.

Heutige überflüssige, sirupartige Social-Media-Wünsche lassen zweifeln: Bedeuten sie noch etwas? Vielleicht sollte Frau Bhardwaj Facebook verlassen, die Wand einreißen und Mr. Bhardwaj einen echten besonderen Tag schenken.

Von Seerat Sandhu