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Menstruationstabus in der Familie: Persönliche Erfahrungen einer Ärztin

Menstruationstabus in der Familie: Persönliche Erfahrungen einer ÄrztinVor drei Wochen rief mich eine Freundin am Tag der Schwiegermutter in Panik an und fragte nach einem Medikament, um ihre bevorstehende Menstruation hinauszuzögern. Als Ärztin war ich zunächst verunsichert – ich kenne nicht jedes Präparat auswendig, sondern vertiefe mich in mein Fachgebiet als Genetikerin. Mit Hilfe einer Kollegin nannte ich ihr den Namen, fragte aber nicht nach dem Grund. Warum sollte eine natürliche Periode, die so unvermeidlich ist wie Niesen, künstlich verschoben werden? Ihr Unbehagen war spürbar. In Kerala, einem der bildungsstärksten Bundesstaaten Indiens, gilt Menstruation noch immer als Tabu: Menstruierende Frauen werden als 'unrein' betrachtet und dürfen Tempel nicht betreten.

Dieses Erlebnis ließ mich über meine eigenen Menstruationserfahrungen nachdenken. Es ist Zeit für offene Gespräche über diesen natürlichen Prozess – ebenso essenziell wie Essen, Schlafen oder Bewegung.

Probleme vor der ersten Periode
In der konservativen Familie meiner Mutter schliefen Frauen während der Menstruation drei Tage auf dem Boden in einer separaten Ecke, durften niemanden berühren, aßen von eigenen Tellern und wuschen alles getrennt. Als Kind in den Sommerferien trauerte ich um meine Cousinen, die isoliert blieben. Ich verstand nicht, warum ich nach Berührung baden musste. Manchmal bestand ich darauf, bei ihnen zu schlafen – was endlose Wäsche nach sich zog.

Erste Periode und öffentliche Aufmerksamkeit
Bei meiner Menarche informierten meine Eltern alle Verwandten – eine Praxis, die in meiner Gemeinde anhält. Kürzlich rief meine Mutter an, um von der ersten Periode einer Nichte zu berichten; ich erklärte geduldig, dass ich als Genetikerin nur pathologische Fälle prüfe. Warum diese öffentliche Feier statt wissenschaftlicher Aufklärung? Verwandte brachten Geschenke, doch niemand sprach über Biologie. Die Verlegenheit jenes Tages ist mir unvergessen.

In der Schule war es eine Qual, Binden unauffällig zu transportieren – in der Koedukation bis Klasse 7 logen Mädchen, es seien Kekse. Eine NGO klärte nur Mädchen auf; Jungen wurden ausgeschlossen. Später in der Mädchenschule blieb die Scham. Weder Lehrer noch Berater gaben uns das nötige Selbstvertrauen.

Medizinstudium: Gemeinsame Zyklen und harte Realität
Im Wohnheim der MedizinhOCHschule, ohne Privatsphäre, synchronisierten wir durch Pheromone unsere Zyklen. Trotzdem: Binden schmuggeln in frauenunfreundliche Bäder ohne Mülleimer war mühsam. 36-Stunden-Schichten während der Periode in unhygienischen Verhältnissen waren die Norm.

Heutige Herausforderungen
Meine Zyklen sind schmerzhaft; NSAIDs helfen zuverlässig, indem sie Prostaglandine blocken – ohne Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen, wie eine Freundin fälschlich glaubte. Ich manage emotionale Schwankungen und bevorzuge persönliche Entscheidungen. Menstruationsblut ist keine 'Ausscheidung' wie Urin oder Stuhl, sondern abgestoßene Gebärmutterschleimhaut. Warum also das Unreinheitsstigma? Hygiene hängt nicht von der Periode ab. Pseudowissenschaftliche Tabus lehne ich ab.

Neues Experiment: Menstruationstassen
Vor Kurzem wechselte ich zu Menstruationstassen: umwelt- und kostensparend, wenn man sie richtig einsetzt. Sie verbreiten sich Mund-zu-Mund, trotz Vorurteilen zum Jungfernhäutchen. Ich lerne noch.

Ich wünsche mir eine Welt, in der alle – unabhängig von Geschlecht – wissenschaftlich aufgeklärt über Menstruation aufwachsen, Probleme lösen und selbstbewusst damit umgehen.

- Dr. Dhanya Lakshmi N