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Bombay 2005: Die verheerende Flut – Ein Augenzeugenbericht aus erster Hand

Bombay 2005: Die verheerende Flut – Ein Augenzeugenbericht aus erster HandRepräsentatives Bild. Der 26. Juli 2005: Ein Tag, der als Beginn der schwersten Regenflut in Bombays Geschichte in die Annalen eingeht. Die Megastadt erlitt den stärksten Monsun-Regenguss aller Zeiten. Der Tag startete mit harmlosem Regen, sodass die meisten Bewohner zur Arbeit aufbrachen. Um 11 Uhr setzte jedoch ein unerbittlicher Dauerregen ein, und bis 13 Uhr meldeten die Nachrichten bereits überschwemmte Viertel.

Es fühlte sich an, als hätte sich ein gewaltiges Loch im Himmel aufgetan, durch das Wasser aus unerschöpflichen Reserven strömte. Innerhalb weniger Stunden stieg der Wasserstand bedrohlich an, ohne dass der Regen nachließ – Panik breitete sich aus.

Meine Söhne kamen gerade noch rechtzeitig nach Hause, bevor der öffentliche Verkehr zusammenbrach. Mit meinem Mann verlor ich jedoch den Kontakt. Die Telefonleitungen waren durch Staunässe unterbrochen. Er war mit dem Auto ins Büro gefahren. Ich bangte um ihn. Inzwischen drang Wasser in die Erdgeschosswohnungen der Nachbarhäuser ein. Unser Haus liegt ebenfalls im Erdgeschoss. Wir retteten hektisch unsere Habseligkeiten auf den Dachboden und starrten gebannt auf die Straße, wo das Hochwasser lauernd anstieg.

Mein Festnetzanschluss hielt stand, doch seit 12 Uhr war der Strom weg. Mein Mann hatte sein Handy dabei, rief aber nicht an. Als ich ihn wählte, war besetzt. Der Regen prasselte mit unbändiger Wut hernieder. Um 19:15 Uhr klingelte endlich das Telefon – es war er. Erleichterung durchflutete mich.

„Ich habe die Wohnung eines Freundes erreicht. Mein Handy wurde mir im Wasser entrissen, als ich versuchte, ins Auto zu steigen und dich anzurufen. Ich bin sicher, komme morgen zurück, wenn der Regen nachlässt.“ Er fragte nach uns und freute sich, dass die Söhne heil daheim waren und unser Haus trocken geblieben war.

Unsere Familie war gerettet. Wir atmeten auf. Doch der Regen hielt an, und die Gefahr blieb. Bald fiel auch mein Festnetz aus – wir waren von der Welt abgeschnitten. Nur mit Nachbarn konnten wir durch die Türspalte flüstern; Türen öffnen hieß, Wasser hereinzulassen. Erschöpft schliefen wir ein. Am Morgen hatte der Regen etwas nachgelassen, der Himmel blieb bedrohlich. Unser Zuhause war verschont.

Während wir dankbar waren, vergaßen wir die Welt draußen, die von der Flut verwüstet wurde. Berichte über Ertrunkene häuften sich. Am Abend brachte mein Mann eine tragische Nachricht: Ein Maruti 800 war vor seinen Augen in Sekunden versunken. Der Fahrer saß gefangen im Auto, die Tür klemmte. Niemand konnte im Wasser helfen. Dies war nur einer von vielen ähnlichen Fällen.

Viele verloren ihr Leben, Tausende wurden obdachlos. Diese Erinnerungen rühren noch heute. Die Betroffenen trauern jährlich. Die Natur hatte getobt.

– Von Sudha Vishwanathan