Repräsentatives Bild. Als Siebenjähriger fühlte es sich seltsam an, von seinem eigenen Vater ignoriert zu werden – trotz hohem Fieber und einem Unfall zu Hause. Die Mutter war arbeiten gegangen und hatte ihn gebeten, sich um den Vater zu kümmern. War es, weil er ein ungeplantes Kind war? Oder wegen der Kluft zwischen der gebildeten Mutter und dem ungebildeten Vater? Solche Diskrepanzen prägen leider noch immer viele indische Familien, wie seine eigene zeigt.An jenem Tag, während der Vater mit unwichtigen Dingen beschäftigt war, zupfte er an dessen Hose, um Aufmerksamkeit zu erregen. Der Vater stieß ihn wütend weg, er fiel und schlug mit der rechten Stirnseite und dem Ohr schmerzhaft gegen die Bettkante.
Tränen der Qual und des Zorns rannen über sein Gesicht. Der Vater blickte nur irritiert zurück, und gerade als die Mutter heimkam, entlud sich sein Zorn erneut auf sie: Sie sei zu gebildet, zu ehrgeizig, eine "Nichtsnutz". Häusliche Gewalt war Alltag, den er miterleben musste.
Trotzdem kochte die Mutter für den Vater und die Familie, erledigte den Haushalt ohne Murren, kaufte neue Kleidung – sie war die einzige Ernährerin. Mit den Jahren sammelte sie Bitterkeit an, die sie in Shayaris und Poesie kanalisierte. Er begann, alle Väter als Ratten zu sehen.
Später wurde der Vater durch Krankheit bettlägerig und brauchte Pflege. Würde Karma zuschlagen? Doch die Mutter kümmerte sich hingebungsvoll. War es Erziehung, Gesellschaftsdruck oder 40 Jahre Beziehung? Er zweifelte, während sein eigenes Leben eine Achterbahn war.
Bei einer Schulung zu seinem neuen Job musste er ein Projekt über das Leben Älterer in Heimen erstellen. Allein das Thema verursachte ihm Übelkeit. Warum nicht seinen Vater dorthin schicken, wie er es oft gefordert hatte? In der Diskussion stritt er hitzig mit Kollegen – seine Vorgesetzten staunten über die aufgestaute Wut.
Mit den Kollegen besuchte er das Altersheim, ein altes Gebäude mit gelbbraunen Fensterläden. Stur saß er im Garten, unmotiviert. Eine sanfte Berührung: Ein alter Mann in weißer Kurta, Mr. Roger, lächelte ihn an, lud ihn ein, teilte Kekse und Ingwertee. Mr. Rogers Weisheit zog ihn an; er klagte über seinen Vater. Der Alte tröstete: Nicht alle Väter sind gleich, vielleicht hatte seiner Gründe. Mehrmals kehrte er zurück, fand durch Gespräche Verständnis und konnte vergeben.
Zu Hause setzte er sich zu seinem kranken Vater, hielt seine knochigen Hände, sehnte sich nach einem Wort, einem Lächeln. Ob er je gehört wurde? Bald starb der Vater – und mit ihm die Wut des Sohnes.
Er fand Trost in der Vergebung!
- Von Lamiya Siraj