Repräsentatives BildIm März letzten Jahres habe ich geheiratet – eine klassische indische Hochzeit voller Trubel und Tamtam. Braut und Bräutigam hatten sich bei einem Treffen ineinander verliebt, die Eltern beider Familien organisierten eilig alles Nötige. Tanten rangen um die Oberhand beim Einkauf von Sarees und Schmuck. Die Braut war kurz davor, ihre Visagistin zu entlassen, weil sie zu spät kam.
Nach den Gelübden folgte ein intensives Fotoshooting, das in den vollen Zeitplan gequetscht wurde. Solch ein glückverheißender 'Muhurat' würde erst acht Monate später wiederkommen.
Doch nach all den Ritualen hatten wir ein Wesentliches übersehen: Zeit miteinander. Weder Braut noch Bräutigam kamen zur Ruhe. Nachdem ich die knappe Freizeit mit meiner Frau verbracht und ihr Visum beantragt hatte, reiste ich in die USA – in der Hoffnung, bald gemeinsam unser Leben zu beginnen.
Dann kam Covid-19 und stoppte alles. Während ich Welt und Schicksal verfluchte, erkannte ich etwas Entscheidendes: Meine Frau ruft mich jeden Morgen zärtlich an, ich erwidere es. Über WhatsApp sind wir rund um die Uhr verbunden. Unsere Bindung fühlt sich an, als kannten wir uns seit Jahren.
Wäre das in 'normalen' Zeiten so entstanden? Die Lockdowns zwingen Kinder zu ihren Eltern, Paare zueinander. Mein vierjähriger Neffe ist begeistert, dass seine Eltern den ganzen Tag da sind – unmöglich im Alltag.
Ich begrüße die Pandemie nicht, doch die daraus resultierende Angst hat uns nähergebracht. Als jemand, der diese Veränderungen hautnah erlebt hat, sehe ich: Aus Zwang kann echte Nähe entstehen.
– Von Siddharth Pandya