Sarah und Lily sind seit ihrem fünften Lebensjahr unzertrennliche Freundinnen. Ein gemeinsames Erlebnis hat ihre Bindung jedoch auf eine ganz neue Ebene gehoben.
Beide hatten im Abstand eines Jahres eine Abtreibung und wurden so zu essenziellen Begleiterinnen auf den Reisen der jeweils anderen – Frauen Mitte 20, die nun gemeinsam handeln.
Für Sarah war das Gespräch mit jemandem, der genau wusste, wie sich eine Abtreibung anfühlt, bestärkender als Beratungen bei Psychologen oder Familie. Für Lily war Sarahs Unterstützung bei ihrer eigenen Abtreibung ein Jahr später "wirklich heilsam" – auf eine Weise, die sie nicht erwartet hatte.
Da sie erkannten, dass viele Frauen von solcher Verbundenheit profitieren könnten, gründeten sie The Abortion Project, eine Peer-Support-Gruppe in Perth. Sie gilt als eine der ersten ihrer Art in Australien.
Obwohl Sarah mittlerweile nach Darwin gezogen ist, planen die beiden eine landesweite Ausweitung des Angebots.
Hier erzählen sie ihre Geschichte in eigenen Worten.

Lilys Geschichte
Ich erinnere mich lebhaft an unser erstes Treffen. Sarah trug einen langen Flamenco-Rock, riesige Laufschuhe und eine kleine Brille. Ich dachte sofort: "Das ist eine verdammt coole Person – mit der will ich befreundet sein."
Sie ist eine jener Freundinnen, die zu meinem Wesen gehören. Bei ihr konnte ich immer alles sagen, ohne Filter.
Unsere Abtreibungen schufen ein neues, tiefes Verständnis und veränderten unsere Freundschaft nachhaltig.

2017 merkte ich, dass ich schwanger war, und wusste sofort: Ich will eine Abtreibung.
Ich entschied mich für eine medizinische Abtreibung. Der Schmerz war unerwartet heftig.
Ich fühlte mich extrem isoliert, gefangen in meinen Gedanken.
Eine Abtreibung ist eine große Entscheidung, eine Weggabelung. Man grübelt über das Paralleluniversum, in dem man anders entschieden hätte.
Als der voraussichtliche Termin kam, war das besonders surreal: "Gerade würde ich ein Kind zur Welt bringen."
Ich quälte mich selbst und bedrängte Leute auf Partys, um über ihre Erfahrungen zu reden. Ich sehnte mich nach Austausch.
Etwas wie The Abortion Project hätte meinen Heilungsprozess verändert – ich hätte mich weniger allein gefühlt.
In unseren Sitzungen kommen Traurigkeit und Trauer hoch, aber meist lachen wir herzlich.
Das normalisiert alles, entspannt und macht Lust auf mehr.
Sarahs Geschichte
Lily war die Erste, die ich anrief, als ich schwanger war.
Ich war in einem Hostel in Malaysia, kaufte Tests und machte sie im Gemeinschaftsbad. Es war surreal, doch ich flog fast sofort heim.

Meine chirurgische Abtreibung war körperlich schmerzfrei.
Mental kämpfte ich jedoch.
Zwei Wochen lang war ich unentschlossen, spann unrealistische Fantasien.
Mit meinem kurzen Vokuhila und Männersachen stellte ich mir vor, wie cool ich mit dickem Bauch und Gürteltasche aussehen würde.
Doch dann sagte ich meinem Partner: "Ich mache eine Abtreibung." Das löschte meine Ängste.
Danach rang ich mit Trauer und Verlust.
Ich bereute nichts, wollte aber das imaginierte Baby doch.
Damals nannte ich es so, heute nicht mehr.
2021 starteten Lily und ich The Abortion Project mit einer Test-Sitzung in ihrem Hinterhof. Wir testeten Themen und strukturierten daraus die Gruppensitzungen.
Alle zwei Wochen finden sie statt, die Gruppe wächst. Erste Teilnehmerinnen moderieren nun.
Der beste Rat kam von einem Arzt: "Sie werden tolle Unterstützung für Freundinnen sein, die das durchmachen." Das hat mich beeindruckt – es macht die Erfahrung wertvoll.
Heute fühle ich mich gestärkt. Meine Abtreibung ist eine innere Kraftquelle für Veränderung.
Zitate leicht bearbeitet für Klarheit und Kürze.