Repräsentatives Bild.
Als Achtjährige träumte ich von einer Prinzessinnenpuppe im rosa Kleid – das Must-have unter den Mädchen damals. Nach monatelangem Bitten gab meine Mutter nach. Die Puppe kam in einer riesigen Verpackung. Ich riss sie auf – und war enttäuscht. „Es ist nicht rosa!“, rief ich.
„Was ist nicht rosa?“, fragte meine Mutter verblüfft.
„Das Kleid! Ich wollte Pink, nicht Blau.“
Meine Mutter, die meine Wutanfälle kannte, war unnachgiebig: „Das hat der Laden. Behalt sie oder andere freuen sich drüber.“
Das reichte, um mich zu bremsen. Ich schnappte mir die Puppe und flüchtete in mein Zimmer. Das blaue Kleid verhinderte, dass sie je mein Favorit wurde. Sie landete unter meinen vielen Spielzeugen – und wartete 15 Jahre auf Wiederbelebung.
In dieser Zeit hatte sich viel geändert. Ich hatte studiert, arbeitete bei einer Zeitung und entdeckte Denker wie Simone de Beauvoir, Sartre und den Feminismus. Neue Perspektiven prägten mich.
Eines Abends kam ich heim und fand mein Schlafzimmer verwüstet: Meine alten Spielsachen aus dem Schrank lagen verstreut – Spuren eines „Schatzsuchens“ meines Neffen. Dort lag sie: die Puppe mit dem blauen Kleid, halb entkleidet. Neugierig wie er war, hatte er sie erkundet. Ich lächelte. Plötzlich wusste ich, was ich damit tun würde.
An seinem Geburtstag, Tage später, schenkte ich sie ihm. Meine Schwester war entsetzt, mein Neffe verlegen.
„Jungs spielen nicht mit Puppen!“, entriss sie ihm die Puppe und drückte sie mir in die Hand.
„Doch, das tun sie“, erwiderte ich lächelnd. „Ich wünschte, ich hätte das früher gelernt – statt wegen eines rosa Kleids zu toben.“ Meine Mutter schaute verwirrt drein.
„Rosa und Blau sind nur Farben. Hört auf, sie als Geschlechter-Symbole zu sehen. Puppen sind Spielzeug. Wenn er damit spielen will, lasst ihn. Wer soll es ihnen beibringen, wenn nicht wir?“
Stille. Mein Neffe starrte die Puppe an, als ich mit ihr davonging.
– Von Rupa M. K.