Gelenkerkrankungen sind nicht nur Erwachsenen vorbehalten – sie können auch Kinder betreffen. Die juvenile idiopathische Arthritis (JIA) zeichnet sich durch Gelenkschwellungen bei Kindern aus. Als Eltern ist es entscheidend, fundierte Informationen zu sammeln, um die Pflege optimal vorzubereiten.
Was ist juvenile idiopathische Arthritis?
Die JIA ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Synovium – die Gelenkinnenhaut – entzündet und anschwillt. Dies führt zu starken Schmerzen. Sie tritt bei Kindern zwischen 6 und 16 Jahren auf, ohne bekannte Ursache. Das Immunsystem greift versehentlich körpereigene Zellen an.
Typen der JIA
Es gibt sieben anerkannte JIA-Typen:
- Systemische Arthritis (Still-Krankheit): Betroffen ist der gesamte Körper mit hohem Fieber (zunehmend abends), Hautausschlägen, Blässe und Organbeteiligung wie Herz, Milz, Leber und Lymphknoten.
- Oligoarthritis (juvenile rheumatoide Arthritis): Betroffen sind maximal fünf Gelenke wie Knie, Knöchel und Handgelenke, oft auch die Iris. Häufiger bei Mädchen; viele Kinder wachsen heraus.
- Polyarthritis – Rheumafaktor-negativ: Häufiger bei Mädchen, betrifft vier oder fünf Gelenke (Hände, Knie, Knöchel, Nacken, Füße, Hüften). Kann leichtes Fieber und Knoten verursachen.
- Polyarthritis – Rheumafaktor-positiv: Ähnelt der adulten rheumatoiden Arthritis. Nachweisbar durch Rheumafaktor (RF) oder CCP-Antikörper; höheres Risiko für Erosionen.
- Psoriasis-Arthritis: Zusätzlich Psoriasis-Ausschläge (Ellbogen, Knie, Ohren). Oft familiär, mit möglichen Nagelveränderungen.
- Enthesitis-assoziierte Arthritis: Schmerzen an Sehnenansätzen (Hüfte, Rücken, Knie). Häufig bei Jungen über 8 mit familiärer Spondylitis.
- Undifferenzierte Arthritis: Passt nicht eindeutig in eine Kategorie oder überschneidet sich.
Ursachen der JIA
Als Autoimmunerkrankung hat die JIA keine klare Ursache. Mögliche Faktoren:

- Umweltfaktoren oder Viren, die das Immunsystem gegen Gelenkgewebe richten.
- Infektionen, die reaktive Arthritis auslösen (meist vorübergehend).
- Familiäre Belastung mit rheumatischen Erkrankungen (nicht direkt genetisch).
Symptome
Symptome sind oft unspezifisch; manche Kinder zeigen gar keine. Häufig:
- Gelenksteifheit
- Schwellungen, Schmerzen, Empfindlichkeit
- Fieber
- Gewichtsverlust
- Ausschlag
- Reizbarkeit, Müdigkeit
- Verschwommenes Sehen, Augenrötung/Schmerzen
- Hinken, Appetitlosigkeit
Diagnose und Tests
Keine spezifischen Tests; Ausschluss anderer Erkrankungen (z. B. Lupus, Leukämie). Umfasst Anamnese, Untersuchung und Labore/Bildgebung:

- Blutbild (Entzündung, Infektionen)
- Blutkulturen
- Knochenmarkbiopsie (Leukämie-Ausschluss)
- BSG (Entzündungsrate)
- CRP (Infektionsmarker)
- RF, CCP, ANA (Autoantikörper)
- Röntgen/MRT (Schäden)
- Knochenscan
- Synovialpunktion
Komplikationen
Frühe Behandlung ist essenziell, um zu vermeiden:
- Gelenkschäden
- Wachstumsstörungen
- Uveitis (mit Risiko für Glaukom, Katarakt, Erblindung)
- Deformitäten, Funktionsverlust
Behandlung und Management
Individuell: Medikamente, Physiotherapie, Bewegung.
- Medikamente: NSAIDs (Ibuprofen), Kortikosteroide (kurzfristig), DMARDs (Methotrexat), Biologika (Infusionen).
Physiotherapie: Übungen zur Beweglichkeit und Stärkung.

Regelmäßige Bewegung: Schwimmen, Radfahren, Gehen. Vermeiden: Hochrisikosportarten.
Frühe Therapie ermöglicht schmerzfreies Leben. Bieten Sie ausgewogene Ernährung und beobachten Sie engmaschig.
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