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Hirntumore bei Kindern: Symptome, Arten, Diagnose und Behandlung

Hirntumore bei Kindern: Symptome, Arten, Diagnose und Behandlung

Hirntumore können Kinder jeden Alters betreffen. Im Gegensatz zu Erwachsenen entwickeln sie sich bei Kindern anders und haben spezifische Auswirkungen, da Gehirn und Körper noch in der Wachstumsphase sind. Symptome und Therapien unterscheiden sich daher oft. Hirntumore bergen das Risiko schwerwiegender, langfristiger Schäden an neurologischen und kognitiven Funktionen.

Was ist ein Hirntumor?

Wenn Gehirnzellen sich unkontrolliert teilen und wachsen, entsteht eine Zellmasse – ein Tumor.

Arten von Hirntumoren bei Kindern

Tumore werden nach Zelltyp, Lage, Wachstumsgeschwindigkeit und Ausbreitungsrisiko klassifiziert. Grob unterteilt in:

  • Primäre Tumore: Entstehen direkt im Gehirn.
  • Metastasen: Breiten sich aus anderen Körperregionen ins Gehirn aus.
  • Gutartig: Nicht krebsartig, langsam wachsend.
  • Bösartig: Krebsartig, schnell wachsend.

Der häufigste Hirntumor bei Kindern ist das Gliom (ca. 75 % der Fälle), das aus Gliazellen – dem Stützgewebe des Gehirns – entsteht. Wichtigste Untertypen: Astrozytome und Ependymome. Gliome stören Gehirnfunktionen und können lebensbedrohlich sein.

1. Niedriggradig vs. Hochgradig

Hirntumore werden mikroskopisch in Grade 1–4 eingeteilt. Grade 1–2 (niedriggradig) wachsen langsam, ähneln normalen Zellen, bleiben meist lokal und haben gute Prognosen nach Entfernung. Grade 3–4 (hochgradig) wachsen aggressiv, breiten sich aus und rezidivieren häufig. Der Grad bestimmt Therapie und Verlauf.

2. Lokalisiert vs. Invasiv

Lokalisierte Tumore bleiben am Ursprungsort und sind leichter behandelbar. Invasive Tumore durchdringen umliegendes Gewebe und sind operativ herausfordernd.

3. Primär vs. Sekundär

Primäre Tumore starten im Gehirn (häufig bei Kindern). Sekundäre metastasieren aus anderen Organen.

Häufige primäre Hirntumore bei Kindern

Die wichtigsten Typen sind:

  • Astrozytom: Häufig bei 5–8-Jährigen, aus sternförmigen Gliazellen. Tritt im Groß- oder Kleinhirn auf, Grade I–IV. Die meisten sind niedriggradig (I/II). Untertypen:
  1. Pilozystisches Astrozytom (Grad 1): Langsam wachsend, lokalisiert (z. B. zerebellär oder desmoplastisch-infantil).
  2. Diffuses Astrozytom (Grad 2): Infiltrativ, aber langsam (fibrillär, gemistozytisch, protoplasmatisch).
  3. Anaplastisches Astrozytom (Grad 3): Selten, aggressiv.
  4. Glioblastom multiforme (Grad 4): Primär (häufig, hochbösartig) oder sekundär (aus niedriggradig).
  • Ependymom: Aus Ependymzellen an Ventrikeln/Rückenmark. Grade 1–3: Subependymom/Myxopapillär (1, langsam), klassisches Ependymom (2, häufigst), anaplastisch (3, schnell).
  • Hirnstammgliom: Selten, schwer operabel, breitet sich aus; Symptome oft spät.
  • Medulloblastom: Bösartiges Hochgradgliom im Kleinhirn, breitet sich liquorübertragen aus.
  • Kraniopharyngeom: Gutartig, zystisch-fest, nahe Hypophyse.
  • Keimzelltumore: Aus Gonaden oder zentral (Geminom, Teratome etc.), gut- oder bösartig.
  • Pontines Gliom: Aggressiv im Hirnstamm (Pons), schwer entfernbar.
  • Sehnervgliom: Langsam, drückt auf Sehnerv, bedroht Sehkraft.

Ursachen von Hirntumoren bei Kindern

Die genaue Ursache ist unbekannt. DNA-Mutationen in Gehirnzellen fördern unkontrolliertes Wachstum. Genetische Syndrome (z. B. Neurofibromatose, Li-Fraumeni, Hippel-Lindau) erhöhen das Risiko. Umweltfaktoren wie Strahlung spielen eine Rolle.

Symptome von Hirntumoren bei Kindern

Symptome variieren je Alter und Tumorlokalisation. Häufig:

  • Erbrechen/Nüchternheit.
  • Kopfschmerzen.
  • Anfälle.
  • Müdigkeit, Reizbarkeit.
  • Vergrößerter Kopf (Makrozephalie).
  • Störungen von Gleichgewicht, Koordination, Sehen.
  • Verzögerte Pubertät.

Symptome ähneln oft harmlosen Erkrankungen und entwickeln sich schleichend. Bei Verdacht: Sofort Arzt aufsuchen.

Diagnose

Gründliche Untersuchung durch Spezialisten umfasst:

  1. Neurologische Tests: Überprüfung von Gleichgewicht, Reflexen, Sehen zur Lokalisierung.
  2. Bildgebung: MRT/CT zur Bestätigung.
  3. Biopsie: Gewebeentnahme zur Typisierung und Gradbestimmung; oft kombiniert mit OP.

Behandlung von Hirntumoren bei Kindern

Ein interdisziplinäres Team (Neurochirurgen, Onkologen) plant basierend auf Lage, Typ, Grad, Alter und Gesundheit. Häufig: OP + Chemo/Strahlung.

1. Chirurgie: Primäre Option zur Entfernung/Biopsie und Druckreduktion. Vollständige Resektion ideal, bei Hirnstamm oft partiell.

2. Strahlentherapie: Zerstört Tumorzellen, aber riskant bei Kindern (Entwicklungsstörungen möglich).

3. Chemotherapie: Medikamente stoppen Zellwachstum (IV, oral, intrathekal). Systemisch, mit vorübergehenden Nebenwirkungen (Haarausfall, Übelkeit).

4. Unterstützende Medikamente: Steroide gegen Schwellung, Antikonvulsiva gegen Anfälle.

Nachwirkungen der Behandlung

Mögliche Effekte:

  • Haarausfall: Nach Chemo nachwächst, nach Bestrahlung oft nicht.
  • Übelkeit: Häufig.
  • Sehstörungen: Durch Therapie.
  • Motorische Defizite: Muskelschwäche, Gleichgewicht etc.
  • Müdigkeit: Üblich.
  • Hautirritationen: Nach Bestrahlung.

Nachsorge

Regelmäßige Kontrollen überwachen Heilung, Nebenwirkungen und Rezidivrisiken. Physiotherapie, Ergotherapie, Schulunterstützung lindern Langzeiteffekte. Psychosoziale Betreuung essenziell.

Langfristige Folgen

Variieren je Tumor/Therapie: Kognitive Einschränkungen, Wachstumsstörungen, Pubertätsverzögerungen, emotionale Belastungen.

Umgang als Familie

Selbsthilfegruppen bieten Infos, emotionale Unterstützung und Tipps. Schulen anpassen (z. B. Pausen, reduzierte Aufgaben). Früherkennung und Therapie verbessern Prognosen dank Fortschritten.

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