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An meine berufstätige Mutter: Ich verstehe dich jetzt und danke dir von Herzen!

An meine berufstätige Mutter: Ich verstehe dich jetzt und danke dir von Herzen!

Highlights

• Meine Mutter war ein Leben lang berufstätig und beendete diesen Monat ihre 40-jährige erfolgreiche Karriere mit dem Eintritt in den Ruhestand.

Vor ihrer Abschiedsfeier betraten wir ihre alte Kabine. Als ich sie am Tisch sitzen sah, der nun einem anderen gehörte, durchfluteten mich gemischte Gefühle. Ihre Lebensreise – und damit unsere – zog vor meinem inneren Auge vorbei.

Als Kind kam ich allein von der Schule heim, während meine Freunde von mütterlichen Umarmungen empfangen wurden. Ich eilte sicher nach Hause. Sobald die Nachbarn uns hereingelassen hatten, stand das Mittagessen in der Küche bereit – oft dasselbe Gemüse, das Mama für sich eingepackt hatte. Wir beschwerten uns nie. (Mama zaubert in der Küche wie eine Meisterin und schafft Mahlzeiten im Nu, selbst bei Job und Haushalt.) Meine Schwester erwärmte das Essen, wir plauderten über den Tag. Abends wiederholte sich das Ritual mit Mama und Papa. Ich, der Stubenhocker, liebte es, mit ihr zu schnacken und Snacks aus ihrer Bürokantine zu naschen, bis sie das Abendessen zauberte und uns ins Bett brachte. Papa mahnte sie oft, ich solle die Klappe halten – tat sie nie!

An seltenen Urlaubstagen überraschte sie uns, indem sie unauffällig zu Hause wartete. Der Adrenalinkick, sie an der Tür zu sehen, war unbeschreiblich. Wir aßen mehr, redeten stundenlang und stritten um ihren Schoß zum Mittagsschlaf.

In der Oberschule schafften wir es selbst zur Tür und riefen sie über den Festnetzanschluss an. Fünf Minuten Verspätung reichten, um sie panisch zu machen. Hausaufgaben und Freunde beanspruchten unsere Zeit; wir warteten auf ihre Rückkehr, um zu spielen – bei mir meist zu plaudern. Später drehten sich Gespräche um erste Lieben und das Erwachsenwerden.

Im Studium nutzte ich ihre Firma für günstige Ausdrucke und schnappte mir Snacks. Egal wie spät ich heimkam, Elaichi-Milch zum Abendessen war Pflicht. Nach Jobstart verbrachte ich weniger Zeit daheim, doch Wochenenden mit Freunden blieben.

Das Leben ging weiter: Ich heiratete, wurde Mutter und gab meinen Job auf. Mama wurde meine Stütze. Nach vier Jahren als Hausfrau – gelobt, aber manchmal eintönig – dropte ich mein Kind bei ihr ab, um auszuspannen. Sie spielte die pflichtbewusste Nani, ohne zu murren.

Nach meiner Rückkehr zum Job freute sie sich auf Wochenenden mit der Enkelin, die ihren Arbeitsstress abbauten.

Beim Abschied ihrer Kollegen, die sie mit Liebe überschütteten, erkannte ich: Wir haben keine Zeit verloren. Sie erhielt Liebe von uns und dem Team. Zu Hause wäre sie nicht so erfüllt gewesen – ihr Funke brauchte ein Ventil, das sie fand.

Nun im Ruhestand wünsche ich ihr pure Entspannung, fernab von CLs und PLs für Urlaubsgenehmigungen. Doch ich ahne: Sie bleibt Nani, um mir zu helfen. Mütter tun das nun mal!

Deine stolze Tochter!