Mein Bruder ist siebeneinhalb Jahre jünger als ich. Als ich heiratete, bereitete er sich auf seine 12. Klasse vor, und als er heiratete, war ich bereits Mutter von zwei Kindern und lebte in einer anderen Stadt. Nur Tage vor seiner Hochzeit sprach ich mit meiner Mutter über seine zukünftige Frau. Obwohl sie schon einige Jahre zusammen waren, kannten wir sie noch nicht gut. Ich machte mir Sorgen um ihre gemeinsame Zukunft und um unsere Familie. Nicht wegen Klischees, sondern weil ich um meine Mutter bangte. Mit 18 verheiratet, hatte sie in einer großen punjabischen Familie ein hartes Leben geführt. Sie stellte immer die Bedürfnisse anderer über ihre eigenen und ertrug geduldig grobe Worte – sogar von nahen Verwandten. Ich war leider oft Zeugin solcher Momente.Als ich meine Bedenken äußerte, sagte sie: Eine Frau, die in die Familie einheiratet, müsse nicht deren Regeln übernehmen. Die Schwiegereltern sollten sie sich wie zu Hause fühlen lassen. Ich bewunderte sie dafür und hoffte auf das Beste. Sie mahnte zur Vorsicht, doch sie erwiderte wie immer: Was sein soll, wird sein.
Die Hochzeit war ein frohes Fest. Nachdem ich meine Schwägerin herzlich willkommen geheißen hatte, zog ich nach Chandigarh. Würde Mutters Glaube an die Menschen recht behalten oder meine Ängste? Die Zeit sollte es zeigen.
Mutter hielt Wort und tat alles, damit sich das neue Familienmitglied wohl fühlte. Meine Befürchtungen waren unnötig – meine Schwägerin ging mit offenen Armen auf uns zu und akzeptierte uns mit all unseren Macken. Seit zehn Jahren ist sie bei uns, und ihre Wärme hat unsere Familie enger zusammengeschweißt. Sie feiert jeden Meilenstein, bringt Freude und lässt uns alle strahlen. Ihre Energie ist ansteckend.
Heute sorge ich mich nicht mehr um Mutter – meine Schwägerin tut es. Sie ruft an: „Di, Mama braucht eine Pause!“ Mutter liebt Reisen, Vater nicht. Also organisiert sie mit meinem Bruder Trips nach Dubai, Kerala, Bali und Malaysia. Sie lehrt Mutter, unhöflich zu sein, ohne zu verletzen. Gegen sie darf niemand ein Wort sagen, nicht mal mein Bruder. Vater meinte mal, Jeans stünden ihr nicht – Mutter konterte: „Sag das deiner Tochter!“ Ihre Bindung ist einzigartig. Manchmal fühle ich mich ausgeschlossen, doch sie holt mich schnell zurück.
Beide Frauen sind nicht perfekt, aber sie übersehen Kleinigkeiten und schaffen Harmonie. Früher stritten mein Bruder und ich, wer Mutters Liebling ist. Heute haben wir verloren – an die Tochter, die sie am meisten liebt!
(Von Vasudha Chandna Gulati)