In meinen 25 Lebensjahren war Krebs ein Begriff, den ich aus Biologiebüchern und dem Internet kannte. Doch die damit verbundene Todesangst hatte ihn in unserem Zuhause zu einem Tabuthema gemacht – bis die Diagnose bei meiner Mutter fiel.Meine Welt brach zusammen, als ich erfuhr, dass meine Mutter an Darmkrebs erkrankt war. Plötzlich wurde mir klar, wie wenig ich tatsächlich über Krebs wusste. Ich befand mich gerade in Arunachal Pradesh, während meine Mutter in Assam war. Diese Entfernung gab mir Zeit, den Schock zu verarbeiten und Tränen zu vergießen. Schließlich fasste ich mich und schwor, gemeinsam gegen den Krebs anzukämpfen. Damals war 'Krebs bekämpfen' noch nur ein abstrakter Ausdruck für mich.
Auf meiner ein-tägigen Reise nach Guwahati tobte ein innerer Sturm. Ich wollte vor meiner Mutter stark wirken, doch mein Herz schmerzte. Es wurde ein endlos langer Tag. Ich sehnte mich danach, sie in die Arme zu schließen und zu weinen, doch ich erkannte: Sie brauchte meine Schultern zum Ausweinen. Plötzlich fühlte ich mich erwachsen. Trotz des Kloßes im Hals lächelte ich, umarmte sie und versicherte ihr: Alles wird gut. Ich kann mir kaum vorstellen, was sie durchlitt, doch für mich war es ein Albtraum. Ich wünschte mir ein Paralleluniversum ohne Krebs – doch tief drinnen wusste ich, das war nun unsere Realität.
Inmitten dieser emotionalen Achterbahn konsultierte mein Vater unseren Familienonkologen, der meine Mutter für Bestrahlung und Chemotherapie ins North East Cancer Hospital überwies. Die Ärzte diagnostizierten Stadium 2 – eine Phase, die sehr gut heilbar ist. Diese Worte spendeten uns Hoffnung und zeigten mir, warum Ärzte oft als Götter verehrt werden. Meine Ängste kulminierten beim ersten Krankenhausbesuch. Dieses Gebäude, das ich zuvor achtlos passiert hatte, rückte ins Zentrum meines Lebens. Wir betraten eine neue Welt, in der nur der Kampf gegen den Krebs zählte. Alles andere verlor an Bedeutung. Unser Überlebensinstinkt erwies sich als unglaublich stark.
Wir hielten die Hand meiner Mutter, lächelten nervös, um sie zu beruhigen, erledigten die Formalitäten und warteten auf die Untersuchung. Theoretisches Wissen über Behandlungen ist eine Sache – die Realität aus nächster Nähe eine ganz andere. Ich sah eine Frau mittleren Alters, ähnlich alt wie meine Mutter, kahlköpfig von der Therapie. Sie plauderte fröhlich. Ich stupste Mama an: 'Sieh, sie lächelt trotz allem.' Mama starrte sie an, fand Trost darin.
An jenem Tag begann meine Reise, 'Krebs zu verstehen'. Ich tauchte ein in die Welt der Krebspatienten – herzzerreißend, doch inspirierend; schmerzhaft, aber voller Lächeln. Ich sprach mit Betroffenen, ihr Mut war ansteckend. Auch ich fühlte mich wie ein Opfer, Tränen stiegen auf – doch sie lächelten und teilten ihre Geschichten. Während Mama eine Bluttransfusion erhielt, unterhielt ich mich mit jener Frau über ihren Brustkrebs. Ihre Tochter opferte College-Chancen für die Behandlung, sammelte Geld. 'Ihr Lächeln inmitten der Not ist inspirierend', sagte ich. 'Weinen hab ich satt – jetzt lächle ich', erwiderte sie. Ich dankte für ihren Mut, fragte nach Mama. 'Alles wird gut.'
Am nächsten Tag folgte die erste Bestrahlung. Das Wort kannte ich, doch die Realität überwältigte mich wie ein Schulkind am ersten Tag. Ich lächelte für Mama, wartete draußen. Dort traf ich ein älteres Paar: Er hatte Kehlkopfkrebs, konnte nicht sprechen. Seine Frau kämpfte seit acht Jahren. 'Achten Sie auf ihre Ernährung, geben Sie gesundes Essen', riet sie. Sie erzählte vom Rückfall ihres Mannes. Er gestikulierte: 'Sie haben alles entfernt, nichts mehr da. Das ist Schicksal.' Meine Augen wurden feucht, doch ich lächelte: 'Es wird gut.' Er nickte.
Ich holte Mama ab, tief berührt von diesen Geschichten, sprachlos. Sie durchläuft nun ihre Behandlung, wir beten für ihre Genesung. Doch ich bete auch für alle Krebskranken hier und weltweit. Krebs bringt eine innere Stärke zum Vorschein, von der wir nicht ahnten, sie zu besitzen.
(Von Richa Changmai)