Der Ausbruch meiner kleinen Tochter ließ mich die schmerzhafte Wahrheit einsehen: Mein Zweitgeborenes fühlte sich immer nur am Zweitplatz. "Du hast nur Zeit für Bhaiya und nie für mich. Du liebst ihn mehr, weil er dein Erstes ist." Diese Worte meiner achtjährigen Tochter trafen mich wie ein Blitz. Ich war fassungslos, sprachlos.
Bei meiner ersten Schwangerschaft sehnten wir uns nach einer Tochter. Wir malten uns aus, wie sie in süßen Kleidern und mit Puppen spielen würde. Stattdessen kam unser entzückender Sohn Anshul zur Welt. Wir schwebten auf Wolke sieben. Unser Leben drehte sich nur noch um ihn. Die Elternschaft veränderte uns grundlegend – wir erlebten unsere eigene Kindheit neu. Jedes Meilenstein – sein erstes Lächeln, der erste Zahn, die ersten Schritte, das erste Wort – prägte sich unauslöschlich ein.
Als Anshul in die Schule kam, lernte er Freunde mit kleinen Geschwistern kennen. Eines Tages auf dem Heimweg sagte er: "Mama, lass uns ins Krankenhaus gehen und mir eine kleine Schwester holen, wie bei Anchals Mama." Ich lachte, doch der Wunsch nach einer Tochter flammte wieder auf. Bald war ich erneut schwanger.
Diesmal war alles vertraut, doch Anshuls Aufregung war frisch und ansteckend. Er konnte es kaum erwarten, seine Schwester zu halten. Die Schwestern neckten ihn in den Wehen: "Mama bringt vielleicht einen Bruder." Empört erwiderte er: "Wenn es ein Bruder ist, nehm ich ihn auf meinem Fahrrad zum Löwen und lass ihn fressen!" Wir beteten für eine Tochter – und unser Gebet wurde erhört. "Papa, sie ist so klein!", rief Anshul. Wir nannten sie Pakhi und waren überglücklich nach sieben Jahren Warten.
Die Zeit flog. Pakhi wurde von allen vergöttert. Doch wir übersahen, dass Kinder in der Entwicklung neben Liebe auch echte Aufmerksamkeit brauchen. Anshuls Erfolge waren für uns immer etwas Besonderes – Pakhis Leistungen wirkten wie Ergänzungen. Beim Lernen priorisierte ich den Älteren in der höheren Klasse. Anshul galt als der intelligente Schüler; Pakhi, ebenso begabt, wurde nur als 'kleine Schwester' gelobt. Sie war unabhängig, weil ich noch immer Anshuls Hand hielt.
Ihre Worte rissen mir die Augen auf. Ich erkannte meinen Fehler: Ich hatte meinen Kindern nicht vermittelt, dass jedes gleich wichtig ist. Pakhi erhielt viel Liebe, aber weniger echte Wertschätzung. Unwissentlich säte ich Zwietracht.
Ich umarmte sie weinend. Schockiert wischte sie meine Tränen: "Nein, Mama, du liebst mich auch. Hör auf zu weinen, es tut mir leid!" "Nein, mein Schatz", sagte ich, "mir tut es leid. Ich liebe dich unendlich – du bist mein besonderes Zweites." Sie drückte mich fest.
(Veröffentlicht in Soul Curry: Inspirational Stories To Touch And Heal Your Heart, 2010)