Lieber Ryan und Myra,
Du wirst 13, Myra 7 Jahre alt, und ich werde 37 – so alt! Zu diesem Meilenstein möchte ich euch meine Erfahrungen und Gedanken teilen. Sie sollen euch helfen, über euer bevorstehendes Leben nachzudenken – oder auch nicht.
Als Ryan geboren wurde, hielt ich zum ersten Mal ein Baby in den Armen. Dein wackeliger Kopf und zerbrechlicher Körper waren eine Herausforderung. Doch du warst wie Magie für mich. Ich konnte nicht fassen, dass ich dich erschaffen hatte. Ich lernte durch Fehler, las Bücher und hörte mich um.
Auf Basis der Ratschläge meiner Ältesten und Freunde begann ich, dich zu erziehen. Dein Papa und ich waren Anfang 20, besorgt, euch nicht zu schaden. Dein nächtliches Schreien verwirrte uns. Nur Oma konnte dich beruhigen. Es war schwer, dir eine ausgewogene Kindheit zu bieten, umgeben von einer 15-köpfigen Familie voller Liebe und Aufmerksamkeit.
Schritt für Schritt lernte ich, Grenzen zu setzen. Ich wurde streng – vielleicht die 'böse' Mutter in deinen Augen, Ryan. Du dachtest, Papa liebt dich mehr, weil er selten 'Nein' sagte.
Doch ich sehnte mich danach, dich zu umarmen und zu erklären, wie sehr ich dich liebe. Ich wollte dir die Realitäten des Lebens nahebringen: Verantwortung, Hingabe zur Schule. Manchmal stritten Papa und ich über Entscheidungen für eure Zukunft. Am Ende fanden wir Konsens – nach hitzigen Debatten.
Sechs Jahre später kamst du, Myra. Papa war überglücklich über sein kleines Mädchen. Die Familie jubelte, Ryan war vernarrt in dich. Wir waren routinierter und erzogen dich geordneter – ohne großen Fehler.
Du warst makellos süß wie eine Puppe, doch eigensinnig. Anders als der unterwürfige Ryan. Wir liebten deine Schärfe und Beobachtungsgabe. In der Schule wurde Myra zum Star, überall Erfolge.
Euch beide zu führen war anfangs herausfordernd, wurde aber Routine. Myra, du warst so frech, dass kein Kindermädchen mit dir klarkam. Mit vier Jahren übernahm ich euch selbst. Jeden Morgen war es eine Achterbahn: Wut, Gereiztheit, aber auch Lachen und bleibende Erinnerungen.
Meine Lieben, einer von euch hat bereits die beste Schule des Landes geschafft, der andere glänzt überall. Doch das Wichtigste: Es geht nicht um meine Erwartungen. Ich will euch alle Lebenswege aufzeigen, damit ihr selbst wählt.
Ein Weg ist glatt wie eine Autobahn: die Löffelstraße. Wir halten eure Hand, führen euch, bezahlen alles. Ihr folgt einfach.
Nebenan ein Resort: die Wahnstraße. Kein Laufen nötig – Wünsche werden erfüllt, Luxus pur.
Daneben ein schmaler Pfad: die DIY-Straße (do it yourself). Ihr geht allein, wir folgen. Verantwortung liegt bei euch – mit blauen Flecken, Misserfolgen, Tränen.
Die Löffelstraße bringt Komfort, aber keine eigenen Entscheidungen. Abhängigkeit, keine Dynamik, Entitlement. Kein Respekt, kein Geschmack harter Arbeit.
Die Wahnstraße lähmt geistig: Isolation von der Realität, Undankbarkeit.
Auf der DIY-Straße ist es hart: Stürze, Rätsel. Doch der Triumph unschlagbar. Früchte eigener Arbeit schmecken am besten. Ihr werdet dankbar, demütig, respektiert – eine Welt voller Erfolge und Beziehungen, die ihr schafft.
Wir sind immer stolz auf euch. Zeit wartet nicht – seid zur rechten Zeit am rechten Ort. Enttäuscht euch selbst nicht. Folgt eurem Herzen. Ich wünsche euch eine strahlende Zukunft. Lebt gut!
Alles Liebe,
Mama
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