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Der Soldat, der nicht mehr kämpfen konnte: Eine wahre Geschichte aus dem Krebszentrum

Der Soldat, der nicht mehr kämpfen konnte: Eine wahre Geschichte aus dem KrebszentrumÄrzte gelten oft als emotionslos, doch in Wirklichkeit trauert ein ganzes Team um einen Patienten. Eine Krebsdiagnose trifft uns immer hart.

Als Onkologin im Krebszentrum eines Krankenhauses lernte ich schnell die emotionale Belastung kennen: der Schmerz der Patienten, der Kampf ihrer Familien. Jede Minute zählte im Ringen ums Überleben.

Eines Tages wurde ein neuer Patient in Zimmer 324 aufgenommen, das letzte am Gang. Auf meiner Visite erfuhr ich von ihm und bereite mich auf Tränen und Verzweiflung vor. Meine Kollegen schlossen sich an, als wir die Diagnose einer seltenen Form von Blutkrebs mitteilten. Seine Akte offenbarte: ein 24-jähriger Soldat ausländischer Herkunft. Die Krebszellen attackierten Blutzellen und Haut, sein linkes Bein war schwer betroffen.

Wir erwarteten Panik, doch als wir es ihm und seinem Freund – der ihn nach Indien zur Behandlung begleitet hatte – erklärten, lachte er. Wir hielten es für Verleugnung, doch das war sein Naturell: fröhlich, optimistisch, mutig. Er nahm die Nachricht mit Bravour hin.

In der Therapie behielt er seinen Humor, scherzte mit seinem Freund. Wir mochten ihn, mahnten ihn aber, mit dem Rauchen aufzuhören. „Was für ein Kerl! Das passiert nicht. Schneidet mir das Bein ab, aber lasst mir meine Zigaretten!“, witzelte er. Wir machten uns Sorgen, konnten seine Sucht aber nicht brechen.

Doch Veränderung kommt unausweichlich. Monate später kam er erneut: rauchfrei, gläubig, gebrochen. Ich sprach mit ihm: „Du bist Soldat, du kannst kämpfen!“ Vor Schmerz schrie er: „Ich bin KEIN Soldat mehr! Eine Armee nimmt keinen Kranken auf – sie haben mich entlassen.“ Sprachlos verließ ich den Raum. Das Leben hatte ihn eingeholt.

Trotz intensiver Behandlung verschwand der Krebs. Er wurde entlassen, geheilt erklärt. Doch eines Tages sah ich ihn wieder – auf dem Bett, schwach, deprimiert, das Bein haltend. Der Raum stank fürchterlich nach Nekrose.

Diesmal war es schlimmer, zehnfach. Der Krebs fraß ihn bei lebendigem Leib. Kaum jemand kam nah. Er flehte um ein besseres Leben. Mit Tränen in den Augen dachte ich: „Der Tod ist nicht das Schlimmste – dieses Leben ist es.“
(Von Dr. Shruti Bansal, Onkologin mit Jahren Erfahrung im Krebskampf)