Es war Ende Januar, ein kalter Wintertag. Mein Mann und ich genossen unseren Kaffee und planten einen Roadtrip nach Leh und Ladakh. Die Vorfreude kribbelte in mir – ich sehnte mich schon lange nach den schneebedeckten Bergen und den atemberaubenden Landschaften Indiens.
In dieser Nacht träumte ich von weißen Gipfeln, Flüssen und dem kühlen Wind. Ich fuhr in Gedanken die kurvigen Straßen entlang, als plötzliche Übelkeit mich überkam. Ich wachte auf, rannte ins Bad – und erbrach mich tatsächlich. Es war 7 Uhr morgens, Schwindel hielt an. Ich dachte, es sei der Traum, doch der Magen revoltierte weiter.
Ich nahm mir den Tag frei und reflektierte. Mein Zyklus war überfällig – ungewöhnlich, aber nicht neu. Die Morgenübelkeit jedoch war alarmierend. Ein simpler Test bestätigte es: Ich war schwanger!
Ein Wirbel aus Gefühlen überflutete mich. Freude? Angst? Ich hatte Freundinnen strahlen sehen, hatte von der Wonne des Lebens in sich geträumt. Nun weinte ich – waren es Tränen der Glückseligkeit oder der Unsicherheit? Was tun?
Der Gedanke an die Mutterschaft mischte sich mit Zweifeln: Mein Karrierejob, jahrelang kein Reisen, die Angst vor Kilos und Veränderungen.
Ich erzählte meinem Mann – er strahlte, wurde Vater! Doch ich fragte mich, ob er ähnlich zweifelte.
Monate vergingen. Mein Bauch rundete sich, ich fühlte mich formlos. Der Roadtrip rückte in weite Ferne. Geburts- und Erziehungsängste wuchsen. Mein Herz wollte Freude, mein Kopf war blockiert. Schuldgefühle plagten mich – warum konnte ich nicht wie andere Mütter strahlen?
Ich arbeitete bis in den neunten Monat, um negativen Gedanken zu entkommen.
Der Tag kam: Geplanter Kaiserschnitt. Halbnarkose, Unterkörper betäubt. Alles verschwommen – dann ein Rasseln. Die Ärztin hielt mir ihr Gesicht hin: Funkelnde Augen, frisch aus meinem Schoß, neugierig die Welt erobernd. Unbezahlbar! Ich küsste sie, Tränen flossen – echte Glückstränen.
Die Realität folgte: Ratschläge über schlaflose Nächte, Jobpause, Hausarrest. Es stimmte. Wochen ohne Schlaf machten mich reizbar. Das Baby schrie ständig, Liebe wich Frust. Doch dann verstand ich: Sie ist neu hier, kennt keinen Rhythmus, keine Welt. Gerade aus meiner Geborgenheit gerissen. Selbst ich brauche Zeit für Neues – wie erst sie? Ihre Augen flehten um Nähe. Ich kuschelte sie – und sie beruhigte sich. Die Bindung war da. Ich erkannte meinen Wert als Mutter. Tränen wieder – der Lohn der Geduld.
Mutterschaft ist pure Seligkeit. Mit Geduld normalisierten sich ihre Schlafphasen. Nach Elternzeit kehrte ich ins Büro zurück. Bald Picknicks mit ihr – sie blühte auf, passte sich an. Ich fand mein Gleichgewicht, genieße sie über alles. Vor Monaten pure Angst, heute mein Universum.
Nächste Woche Roadtrip nach Leh und Ladakh – mit unserem kleinen Engel Reisha, „schöner Engel Gottes“.
Von Raji Ramachandran