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Blind geboren, doch eine Inspiration: Wie eine sehbehinderte Physiotherapeutin meine Mutter wieder zum Laufen brachte

Blind geboren, doch eine Inspiration: Wie eine sehbehinderte Physiotherapeutin meine Mutter wieder zum Laufen brachte Repräsentatives Bild

Bei meiner Mutter wurde eine Tuberkulose der Wirbelsäule diagnostiziert, die die Beweglichkeit ihres linken Beins stark einschränkte. Die Operation verlief erfolgreich, doch sie weigerte sich, erste Versuche aufzustehen. Angesichts ihres Alters von 78 Jahren rieten die Ärzte, ihr Zeit zur mentalen Vorbereitung zu geben und Physiotherapie einzuleiten.

Leider zeigte Mama keine Bereitschaft, an körperlichen Übungen teilzunehmen – fast so, als wollte sie es bewusst vermeiden. Das beunruhigte uns zutiefst: Zu langes Liegen hätte die Durchblutung ihrer Gliedmaßen geschädigt und sie lebenslang behindert.

Nach vergeblichen Überredungsversuchen beschloss ich, Physiotherapie durchzusetzen. Unser Hausarzt empfahl die Therapeutin Anjali und reichte mir ihr Profil. "Sie ist sehbehindert geboren", erklärte er. Mein skeptischer Blick amüsierte ihn, doch als ich ihr Profil las, war ich baff: Sie hatte sich in renommierten Instituten in Großbritannien und den USA weitergebildet und war international gereist.

"Sieht aus, als käme sie aus wohlhabender Familie mit erstklassiger Ausbildung", staunte ich.

"Ihre Eltern sind Ärzte – ironischerweise ist ihr Vater ein bekannter Augenarzt. Er half vielen, doch bei seiner Tochter half keine Therapie gegen die angeborene, irreversible Sehbehinderung", klärte mich der Arzt auf.

Ich vertraute der Empfehlung und rief Anjali an. Ihr Eintreffen verschlug uns allen die Sprache: Strahlend vor Energie, eloquent und lebensfroh – ihre Augen wirkten fast normal. Ich hatte Mama nichts von ihrer Behinderung erzählt, um Vorurteile zu vermeiden.

Anjali leitete die Übungen mit Schwung, begleitet von einer Helferin. Ehrfürchtig beobachtete ich, wie sie Mama geduldig erklärte und motivierte, trotz anfänglicher Widerstände. Sie verabschiedete sich mit dem Versprechen, nächsten Tag wiederzukommen.

Danach schimpfte Mama: "Wozu das alles?" Da offenbarte ich die Wahrheit: "Ma, Anjali ist blind. Sie hätte jammern können, stattdessen leitet sie eine Klinik von 10 bis 17 Uhr und hat Höchstleistungen erbracht." Ich zeigte ihr das Profil.

Mama war tief berührt und ungläubig – ich bat sie, laut zu antworten, damit Anjali nichts merkte. Von da an kooperierte sie vollends. Nach nur 14 Tagen lief sie mit Gehhilfe.

Anjali spürte die Wertschätzung und freute sich riesig. Wir alle lernten von ihr: Behinderungen sind relativ, wenn Wille und Übungen im Spiel sind. Anjali lehrte Mama, Hindernisse neu zu sehen.

— Sudha Vishwanathan