Repräsentatives BildAmma, Mama, Meemee – viele Namen für eine außergewöhnliche Frau: Gita Bhadran. Seit 32 Jahren ist sie meine Stimme der Vernunft. Mein Tag beginnt und endet mit ihren lobenden Worten oder einer herzlichen Ermahnung. Heute bin ich verheiratete Frau, Mutter eines hyperaktiven 4 Monate alten Babys, Schwiegertochter, Hausfrau und die anspruchsvolle Arbeitgeberin meiner Haushaltshilfen. Doch egal, was ich bin – ich bleibe für immer ihre Tochter.
Von der Einrichtung meines Zuhauses über meine Kleidung und Mahlzeiten bis hin zu alltäglichen Entscheidungen wie der Wahl der richtigen Mülleimer für Schlafzimmer, Küche und Babywindeln: Alles wird bewusst oder unbewusst von ihr geprägt. Sie ist mein Resonanzboden, meine Ratgeberin in allen Lebenslagen, meine beste Freundin und vieles mehr.
Ihre markante Phrase „Das verstehst du erst, wenn du selbst ein Kind hast“ hallt in mir nach. Die körperliche und emotionale Erschöpfung, die eine Mutter in die Erziehung ihres Kindes steckt, wird erst greifbar, wenn man sie selbst erlebt. Man schiebt Müdigkeit, Schmerzen und schlaflose Nächte beiseite, um die Bedürfnisse des Kindes zu erfüllen.
Bei meiner Mutter war ich immer ein offenes Buch. Nichts blieb ihr verborgen. Versuchte ich als Teenager etwas zu verbergen, durchschaute sie mich sofort und führte ein offenes Gespräch.
Wenn ich niedergeschlagen, unsicher war oder über etwas jammerte, sagte sie: „Du bist meine Tochter. Du schaffst alles. Sei mutig, sei stark.“ Ich kicherte innerlich, denn sie lebt seit 25 Jahren mit einem Armeeoffizier zusammen – stets bereit, ihren Mann durch Krieg oder Terror zu verlieren.
Sie erzählte von Kämpfen mit Schuldirektoren um Schulplätze, von Baden in einem klapprigen Zelt in der Wüste, von meinem Bruder, der krank wurde, wenn Vater abwesend war, und von Umzügen alle zwei Jahre in unbekannte Orte. Mein Bruder wechselte dutzende Schulen.
Diese Geschichten brechen mir noch heute das Herz – für sie und meinen Bruder. Als Dame des Hauses prägt sie uns alle. Sie opferte ihre Karriere für die meines Vaters, blieb zu Hause, um uns großzuziehen. Alles, was wir heute sind, haben wir ihr zu verdanken.
Mein größtes Bedauern: Die Male, in denen ich ihr das Leben schwer machte, nicht zuhörte oder zurückschrie. Entscheidungen ohne ihren Rat kamen teuer zu stehen.
Ich liebe dich, Mama. Ich brauche keinen Muttertag, um dich zu feiern – jeder Tag ist dein Tag. Mögest du 100 Jahre alt werden!
– Von Gayatri Bhadran