Repräsentatives BildAm ersten Tag meines Studiums passierte etwas Unerwartetes. Ich sah sie, und die Welt stand still. All meine Lieblingsromantiklieder spielten in Endlosschleife in meinem Kopf. Ich spürte Gefühle, die kein Liebesfilm je wecken konnte.
Ich war verliebt. Leider brachte ich es in diesem Moment nicht über mich, es ihr zu sagen.
Drei Jahre wartete ich. Am letzten Tag unseres Studiums, während der Abschiedsfeier, fasste ich endlich Mut. Alles, was ich in diesen Jahren für sie empfunden hatte, sprudelte aus mir heraus. Ich gestand ihr meine Liebe, erinnerte mich an ihr Outfit am ersten Tag, an das erste Buch, das sie aus der Bibliothek holte. Alles.
Plötzlich sagte sie vier Worte, die mich verstummen ließen: „Sind wir in derselben Klasse?“
„Nein, ich studiere Wirtschaftswissenschaften. Aber wir haben ein gemeinsames Wahlfach: Englisch“, stammelte ich.
„Es tut mir leid!“ Ihr Blick schmerzte mehr als ihre Worte.
„Ich verstehe das. Es tut mir leid.“ Doch verstand ich wirklich, was das mit mir anstellen würde?
Mein Herz war zerbrochen. Es war eine einseitige Liebe, doch der Schmerz blieb. Monatelang machten sich meine Eltern Sorgen, als ich Freunde mied, mich in meinem Zimmer verkroch – unter dem Vorwand, an einem Projekt zu arbeiten – und nur das Nötigste tat. Sie spürten, dass etwas nicht stimmte, wussten aber nicht, was.
Dann geschah etwas Erstaunliches.
Ich steckte im Stau fest, auf dem Weg von meinen Coaching-Kursen nach Hause. Ein kleines Kind, höchstens sieben Jahre alt, kam bettelnd an mein Auto.
„Bhaiyya, paisa de do. Bohut dino se kuch nahin khaya hain“ (Bruder, gib mir Geld. Habe seit Tagen nichts gegessen).
Ich gebe Kindern grundsätzlich kein Geld – zu oft wird es missbraucht. Stattdessen Essen. Zum Glück hatte ich einen Apfel dabei. Ich reichte ihn ihm.
Er schnappte ihn und rannte strahlend davon, rief: „Rajji! Rajji! Ye lo Apfel“ (Rajji! Rajji! Nimm diesen Apfel).
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er ihn einem Kleinkind gab. In diesem Moment waren sie die glücklichsten Kinder der Welt. Freudiges Lachen um einen simplen Apfel, gegenseitige Ermutigung. Sie hatten nichts, aber alles. Wahrscheinlich Geschwister. Ihre Fröhlichkeit war ansteckend.
Plötzlich wurde mir klar, wie unbedeutend mein Liebeskummer war. Zwei Kinder trotzen Hunger, Dreck, Hitze und Regen – und feiern das Leben wegen eines Apfels.
Nach Monaten lächelte ich wieder. Eine schwere Last fiel von meinem Herzen.
– Von Sudarshan Basu