Repräsentatives BildWir waren noch auf der High School, als die Weltraumheldentaten von Kalpana Chawla in allen Printmedien gefeiert wurden.
„Eines Tages werde ich eine Astronautin wie sie“, rief Akansha begeistert und zeigte auf Kalpanas Foto in der Zeitschrift, die ich in der Hand hielt. Ihre Augen waren weit aufgerissen vor Staunen angesichts der selbstbewussten Astronautin, die ihre Kopfbedeckung zum Raumanzug zurechtrückte und im Raumschiff posierte.
„Ich gebe dir die Zeitschrift zurück, sobald ich den Artikel gelesen habe“, sagte sie und schnappte sie mir fast aus der Hand – natürlich gab sie sie nie zurück.
Akansha lebte ihren Traum: Sie verschlang jedes gedruckte Wort über Kalpana Chawla, sammelte Fotos ihres Idols und reagierte auf jede Erwähnung ihres Namens mit ungeteilter Aufmerksamkeit.
Als begabte Schülerin mit beeindruckenden Noten war ihr Traum keineswegs utopisch.
Als die Ergebnisse der technischen Zulassungsprüfungen vorlagen, stand sie an der Spitze der Rangliste. Viele Wege standen ihr offen, doch sie wählte das Exklusive: Luft- und Raumfahrttechnik – ein Studium, das ihrem Traum Flügel verleihen würde.
Doch als einziges Kind ihrer Eltern musste sie für diesen seltenen Studiengang von zu Hause weg. Der Widerstand war heftig: Ihre Eltern wollten sie in der Nähe behalten. Eine vierjährige Abwesenheit war für sie undenkbar.
„Mit Informatik oder Elektrotechnik kannst du so viel erreichen“, argumentierte ihr Vater.
„Wir verstehen deine Faszination für Luftfahrttechnik nicht – du könntest eine hervorragende Ingenieurin werden, ohne die Stadt zu verlassen“, fügte ihre Mutter hinzu.
Sie konnte sie nicht überzeugen und gab schließlich nach. Ihr Traum zerbrach.
Ich erinnere mich lebhaft an den Tag vor dem Beratungsraum nach der Zuteilung von Studiengang und Hochschule. Akansha brach zusammen, als sie erkannte, dass sie einen konventionellen Zweig gewählt hatte, um bei ihren Eltern zu bleiben. Ich war von ihrer Trauer überwältigt, konnte ihre Qual aber nicht voll nachempfinden, da ich selbst nie einen solchen Traum gehegt hatte. Der Moment brannte sich unauslöschlich ein.
Bald trennten uns die Wege: Wir Schulfreunde studierten an verschiedenen Unis in unterschiedlichen Städten.
Zehn Jahre später verband uns ein soziales Netzwerk. Zu unserer Freude arbeiteten die meisten in derselben Stadt. Auch Akansha war hier sesshaft geworden, seit ihrer Heirat vor drei Jahren als IT-Expertin neben ihrem Mann. Wir planten ein Wochenendtreffen.
Wie vereinbart trafen wir uns in einem beliebten Restaurant. Begrüßungen mit „Lange her!“ und Umarmungen. Akanshas Überraschung: Ihre süße sechs Monate alte Tochter, von der die meisten nichts wussten. Wir setzten uns und tauschten Lebensgeschichten aus.
„Wie heißt dein kleiner Engel?“, fragte ich, während ich das Baby hielt.
„Kalpana!“, lächelte Akansha.
Alte Erinnerungen fluteten zurück. Als ich ihre Augen auf dem Kind sah, dachte ich: „Ihr unerfüllter Traum lebt weiter – durch ihren kleinen Engel.“
– Von Saurabh Paul