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Die inspirierende Nachbarin: Hoffnung und Stärke trotz Krebs

Die inspirierende Nachbarin: Hoffnung und Stärke trotz KrebsGeschrieben von Minati Pradhan

"Wie geht es dir, Tante?" fragte ich freudig, als ich die ältere Dame nach Wochen wieder von meinem Balkon aus sah.

"Mir geht es jetzt viel besser, ich erhole mich", antwortete sie mit einem schwachen Lächeln. Ihr Gesicht wirkte blass.

"Pass gut auf dich auf", rief ich ihr zu und ging hinein.

Die Nachbarin ist etwa Mitte siebzig, schätze ich. Ihre traditionelle Kleidung deutet auf Gujarat hin. Wir kannten uns nicht näher, grüßten uns nur ab und zu von Balkon zu Balkon. Unsere Wohnungen teilen eine Grenzmauer, die Balkone sind rund 12 bis 14 Meter voneinander entfernt.

Ihr herzliches Lächeln zauberte mir jedes Mal Freude ins Herz – wie bei meinen eigenen Verwandten.

Jeden Morgen sah ich sie bei ihrer Tulsi-Puja oder wie sie der Sonne Wasser opferte. Doch seit zwei Wochen fehlte sie. Ihr Fenster stand offen, Wäsche trocknete auf der Leine. Einmal hängte ihr Sohn zwei Saris auf. Ich ahnte, dass es ihr nicht gut ging, traute mich aber nicht, ihn zu fragen, da wir uns nie unterhalten hatten.

Am nächsten Tag sah ich eine Frau auf dem Balkon, die putzte. Mir schoss durch den Kopf: Hat sie sich in Santhara begeben? In manchen Gemeinschaften fasten alte Frauen rituell bis zum Tod, um Nirvana zu erreichen. Wie quälend muss das sein!

Der Gedanke ließ mich nicht los. Ich sprach mit meinem Partner darüber, er hörte schweigend zu.

Am Morgen darauf stand sie mit der Frau – ihrer Tochter – auf dem Balkon. Erleichtert fragte ich: "Was ist passiert, Tante?"

"Mir ging es nicht gut", sagte sie matt. Tatsächlich sah sie krank aus.

Ihre Tochter erklärte: Brustkrebs im ersten Stadium. Sie wurde operiert und nach einer Chemotherapie erholt sie sich.

Ich blickte in ihr Gesicht: Der Glanz war verblasst, die Augen müde. Doch ihr unbezwingbarer Geist blieb ungebrochen.

"In einem Monat bin ich wieder fit", versicherte sie und ging hinein.

Ich plauderte mit der Tochter. Tante ist Witwe aus Gujarat, zog vor 15 Jahren mit ihrem ledigen Sohn nach Bangalore. Ihre verheirateten Töchter aus Gujarat waren zur Pflege gekommen. "Wie lange können wir bleiben? Kinder, Schule, Job, Familie – aber in Gujarat können wir nicht ruhig bleiben, bis es ihr besser geht?" Sie machte sich Sorgen. Ich verstand sie nur zu gut.

Eine Woche später war Tante wieder im Alltag: Morgendliche Puja-Rituale wie eh und je. Die Töchter zurück in Gujarat. Kein Jammern, keine Reue. Ihre schnelle Erholung staunte mich an. Oft ist die positive Einstellung das beste Heilmittel.

Ihre Lebenslust inspiriert mich. Allein auf dem Balkon höre ich Vögel zwitschern, blicke in den blauen Himmel – und spüre ihre positive Aura, auch wenn sie nicht da ist. Sie lehrt mich: Hoffnung nie aufgeben, jeden Moment genießen.