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Wie ein Fremder zu unserem teuersten Freund wurde: Eine wahre Geschichte aus Kanpur

Wie ein Fremder zu unserem teuersten Freund wurde: Eine wahre Geschichte aus KanpurRepräsentatives Bild
An einem kalten Wintermorgen Anfang der 1970er Jahre kam ich in Kanpur an. Der Anblick schockierte mich: Schlaglöchrige Straßen, unzuverlässige Stromversorgung, fehlendes öffentliches Verkehrsnetz, Mangel an bezahlbarem Wohnraum – und viele Junggesellenquartiere ohne Toilette. Der größte Engpass war der Transport; man verließ sich auf Fahrradrikschas.

Glücklicherweise erhielt ich nach zwei Jahren Wartezeit eine Firmenwohnung mit kleinem Garten, den die Vormieter verwahrlost hatten. Eines Morgens klopfte ein junger Mann an meine Tür – Mata Pher, der Firmengärtner. Er bot an, nach Feierabend den Garten zu pflegen, um sein Einkommen aufzubessern. Ich stimmte zu. Innerhalb weniger Monate blühte der Garten in einem Meer aus Rosen, Dahlien, Gladiolen und saisonalen Blumen auf.

Schnell erkannte ich sein außergewöhnliches Talent. Durch meine Empfehlungen erhielt er Aufträge bei einem 5-Sterne-Resort des Unternehmens und in Villen prominenter Stadtbewohner. Mata Pher hatte seine Fähigkeiten bei Top-Gärtnern verfeinert. Wir wurden enge Freunde; er öffnete sich mir. Aus ärmlicher Herkunft im Distrikt Pratapgarh stammend, hatte er Kanpur auf Jobsuche verlassen, da das kleine Familienerbe nicht reichte.

Trotz Analphabetentums besaß er tiefe Weisheit, Empathie und Menschenkenntnis. Er war bei allen Kollegen beliebt für seine Hilfsbereitschaft. Abende voller Gespräche über Beziehungen lehrten mich: Erfolg basiert nicht nur auf Bildung, sondern auf Mitgefühl, Empathie und selbstlosem Dienst – Werten, die wahre Erfüllung bringen.

Nach meiner Heirat pflegte er weiter den Garten und brachte meiner Frau Gartenkünste bei: Pfropfen von Rosen, Pflanzen von Knollen wie Dahlien. Nach der Geburt unserer Kinder verbrachte er viel Zeit mit ihnen, lehrte sie umgangssprachliches Hindi – meine Tochter scheiterte beim Englischunterricht, doch er wurde ihnen ans Herz gewachsen.

Seine Maximen „Dienen vor dem Selbst“ und Beziehungen pflegen prägten mich. Wie in der Bhagavad Gita glaubte er: Gib dein Bestes, die Frucht überlass Gott. Trotz Anreizen blieb er treu.

Nach 20 Jahren zog ich um. Die Trennung fiel schwer; meine Kinder weinten. 15 Jahre später stand er plötzlich vor unserer Tür. Nach dem Tod seines Vaters musste er die Farm übernehmen – die Einnahmen reichten kaum. Wir halfen finanziell. 2010 bat er um Hilfe für seinen Sohn, der den Job jedoch verließ. Seitdem kein Kontakt, doch ich hoffe auf ein Wiedersehen.

—K.S. Wenkatachalam