Erwarten Sie immer das Unerwartete. Ich las gerade die letzte Zeile eines Buches, als ich einschlief – ohne zu ahnen, dass diese Worte bald mein eigenes Leben prägen würden.
Kurz darauf erfuhr ich, dass ich Zwillinge erwartete. Meine Welt veränderte sich schlagartig. In mir erwachte die Mutter, und jeder Gedanke galt meinen Babys.
Eines Tages kamen meine Zwillingssöhne zur Welt. Sie machten aus mir eine neue Mutter. Vor ihrer Geburt war alles anders. Beide hatten ein niedriges Geburtsgewicht und wurden sofort auf die Neonatologie-Intensivstation verlegt. Ich konnte sie kaum sehen, noch benommen vom Kaiserschnitt. Mein Mann erzählte mir, dass unser Sohn eine angeborene Anomalie hatte und am nächsten Tag operiert werden müsste. Mit nur zwei Tagen absolvierte er die Operation – ohne mich an seiner Seite.
Der Gedanke an seine Schmerzen brach mir das Herz. Doch glücklicherweise waren alle Ärzte und Pflegekräfte hervorragend. Die Operation gelang: Er litt unter einer Anusfehlbildung, weshalb eine Kolostomie durchgeführt wurde. Ich kannte diesen Eingriff nicht; eine Recherche ergab, dass der Analbereich umgangen und stattdessen eine Öffnung links am Bauch angelegt wird.
Aus dem Bauch meines Babys kam nun der Stuhl – kein einfacher Schock für mich, da ich davon noch nie gehört hatte. Doch ich betete um Kraft, um ihn bestmöglich zu versorgen.
Ich bin unendlich dankbar für die exzellente Betreuung in den Surya-Krankenhäusern in Mumbai. Die Pflegekräfte schulten mich gründlich in der Kolostomie-Pflege. Meine drängendste Frage: Ist das dauerhaft? Würde er immer so entleeren? Die Ärzte klärten geduldig alle Zweifel: Es handelt sich um eine vorübergehende Maßnahme. Mit etwa neun Monaten würde die Kolostomie rückgängig gemacht, und er könnte normal entleeren.
Ich vertraute ihnen voll und ganz – und tatsächlich gelang die Umkehroperation einwandfrei. Heute entleert sich mein Sohn ganz normal.
Diese einjährige Reise war die härteste Phase meines Lebens. Zwei Babys zu versorgen, eines mit regelmäßigen Arztbesuchen – doch ich hatte starke Unterstützung: Meine Eltern, mein Mann, meine Schwiegereltern.
Manchmal öffnete ich mich emotional mehr meiner Schwiegermutter als je zuvor meiner Mutter. Sogar die Kinderbetreuerin war unschlagbar, sodass ich mich um den anderen Sohn keine Sorgen machen musste, wenn ich im Krankenhaus war.
Heute wachsen beide Söhne durch Gottes Gnade rasant und erfüllen uns mit unendlicher Liebe. Diese schwere Zeit liegt hinter uns, doch sie hat mich viel gelehrt: Familie ist essenziell, durch Dick und Dünn. Glaube an Gott und daran, dass man nicht allein ist.
Das ist nicht das Ende, sondern der Neuanfang einer frischgebackenen Mutter.
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