22. März 2016: Ich hatte gerade ein Gespräch mit meinem Mann beendet, als er sich auf den Weg zur Arbeit nach Brüssel machte. Eine Stunde später erreichte mich die schockierende Nachricht von den brutalen Anschlägen auf den Flughafen und die U-Bahn in Brüssel.Im Büro, ahnungslos von den Weltgeschehnissen, rief sein Cousin an und informierte mich über den Angriff. „Natürlich geht es ihm gut – er arbeitet nicht in der Nähe des Flughafens“, dachte ich. Ich wählte sofort seine Nummer und atmete erst aus, als seine ruhige Stimme antwortete: „Ich kam zu spät ins Büro. Gerade als ich einen Anruf annahm und telefonierte, sah ich in unserer Familien-WhatsApp-Gruppe die Nachfrage nach meinem Wohlbefinden. Ich schaltete den Fernseher ein – und blieb zu Hause. Gott sei Dank.“ Was für eine Erleichterung!
Zwanzig Minuten später detonierte eine Bombe in der U-Bahn. Ich rief ihn erneut an: „Bleib bitte im Haus, überall lauern Gefahren.“
Er war in Sicherheit, doch die Stadt war abgeriegelt, und er saß tagelang zu Hause fest. Wir hatten geplant, ihn übers lange Wochenende zu besuchen und durch Europa zu reisen. Doch die kalten Temperaturen hielten uns ab – mit unserem einjährigen Kind wollten wir kein solches Temperaturtrauma riskieren. Heute bin ich unendlich dankbar dafür.
Am folgenden Wochenende wollte er trotz der Anschläge zurückkehren, doch der Flughafen blieb geschlossen, und die Lage war unklar. Erst als die Situation sich stabilisierte, buchte er eine Zugfahrt nach Amsterdam und flog von dort nach Delhi.
Bevor er abreiste, fragte er: „Möchtest du etwas aus Brüssel?“
„Ja, dich! Komm sicher zurück und hab einen guten Flug!“, war meine Antwort. Nur seine sichere Heimkehr zählte.
Spät in der Nacht umarmten wir uns fest bei seiner Ankunft.
Noch heute frage ich mich: Was wäre gewesen, wenn er diesen Anruf verpasst oder die WhatsApp-Nachricht übersehen hätte? Er wäre in der U-Bahn gewesen! Tausend Gedanken kreisen um diesen schicksalhaften Tag.
Nach den Pariser Anschlägen war die Stimmung in Brüssel bereits angespannt. Die Polizei durchsuchte Viertel nach flüchtigen Verdächtigen. Der drohende Terror mündete schließlich in den Explosionen am Flughafen und in der U-Bahn. Brüssel trug nun den Ruf der Brutstätte des Terrorismus in Europa.
Ich war nicht vor Ort, doch mental war ich die ganze Zeit bei ihm – voller Angst, Schmerz, Schock und Hoffnung.
Seine Brüssel-Reise birgt schöne Erinnerungen, doch nun trübt das Bewusstsein, einer der Glücklichen zu sein, die heil zurückkehrten, sie. Es schmerzt, eine wunderschöne Stadt vom Hass durchzogen zu sehen. Doch das Leben lehrt: Es ist nicht immer fair – manchmal schenkt es Glück!
(Von Hansveen Kaur)