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Kein Vorwurf an meinen Mutterleib: Die Geschichte meiner Reise mit einem besonderen Sohn und Autismus

Kein Vorwurf an meinen Mutterleib: Die Geschichte meiner Reise mit einem besonderen Sohn und AutismusMein Mann und ich haben uns 12 Jahre lang umworben, bevor wir heirateten. ‚Kinderliebchen‘ – so nannten uns unsere Freunde liebevoll. Wir wuchsen in derselben Stadt auf, Durgapur, einer Stahlstadt in Westbengalen. Schon während unserer Werbung diskutierten wir oft über die Namen unserer zukünftigen Kinder.

Nach der Hochzeit kamen Alltag und Arbeit. Innerhalb von 1,5 Jahren war ich schwanger – der Traum wurde wahr.

Die Schwangerschaft war schwierig, mein Sohn kam vorzeitig zur Welt und verbrachte 15 Tage auf der Intensivstation. Ich erinnere mich genau an meine Tränen, als ich nach der Operation nicht zu ihm durfte. Ich wurde entlassen, er blieb im Krankenhaus. Täglich besuchte ich ihn, fütterte und hielt ihn. Er war winzig, schrie aber laut – die Mütter nannten ihn ‚den zornigen jungen Mann‘.

Er entwickelte sich zu einem entzückenden Kind, doch bald fielen uns Auffälligkeiten auf: sein Verhalten, Gang und Sozialkontakt unterschieden sich stark. Er schaute uns nie an, nahm die Umwelt kaum wahr, lächelte nicht gesellig und umarmte uns nicht. Als berufstätige Mutter zweifelte ich an mir – gab ich ihm genug Liebe und Zeit?

Wir holten einen Psychologen hinzu, der mit 2,5 Jahren eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostizierte. Der Schock saß tief.

Ich wusste wenig über Autismus und googelte zuerst berühmte Autisten – Wissenschaftler und Maler inspirierten mich. Später lernte ich: Nur 10 % führen ein ‚fast normales‘ Leben.

Ich arbeitete damals in einem globalen IT-Unternehmen. Der Drang, alles aufzugeben, war groß. Doch ich blieb: Die Arbeit gab mir Unabhängigkeit und Kraft für Recherche zu Therapien, Sonderschulen und Früheingriffen. Ich nahm eine Auszeit, erkannte seine Stärken. Langsam wuchs die Zuneigung, er schaute mir ins Gesicht, sprach mit 3 Jahren erste Wörter: ‚Ma‘, ‚Baba‘, ‚Car‘.

Großeltern umarmten ihn warmherzig, doch soziale Bindungen blieben herausfordernd. Er konnte nicht spielen oder plaudern. Freunde wurden zu Verbündeten und nahmen ihn an Herz.

Unvergesslich: Bei einer Spenden-Modenschau in Bangalore mit Models mit Behinderungen fragte ein Sponsor, ob mein Sohn die Rampe laufen könne. Ich sagte zu. Mit zwei Damen an seiner Seite ging er ruhig – in seinem typischen Gang. Er lächelte flüchtig ins Publikum, bekam 2500 INR als erstes ‚Gehalt‘ mit 5 Jahren! Da wusste ich: Sein Weg wird unkonventionell, doch mit bedingungsloser Liebe bleibt er glücklich.

Nun sind wir in den USA für bessere Therapien. Mit 8 Jahren sehe ich: Er mag nicht mein Traumjob-Champion werden, seine Zukunft ist offen. Doch er ist unser Traum. Die Welt mag urteilen – meinem Mutterleib mache ich keinen Vorwurf. Besondere Kinder wachsen in besonderen Leibern heran.

Keine Zeit für Politikgespräche im Büro, oft leerer Blick. Ich bereue nichts. Eines Tages werde ich gefragt: ‚Wie erzieht man ein besonderes Kind?‘ Ein Tag reicht nicht. Abends lehren wir Neues, spielen. Er freut sich, umarmt mich. Was will man mehr? Sein Stolz-Moment: Mit 8 die ganze Strophe von ‚5 Little Monkeys‘ – sein Hit. Andere lachen vielleicht, er hat Meilen zurückgelegt und wartet auf mehr. In einer hasserfüllten Welt ist er pure Liebe und Unschuld. Unser gelebter Traum, jeden Tag neu.
(Von Sujata Majumdar)