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Vorurteile überwunden: Als eine Burka-Trägerin das Handy meines Mannes borgte

Vorurteile überwunden: Als eine Burka-Trägerin das Handy meines Mannes borgteWir hören ständig von Gräueltaten im Namen der Religion, die uns vor Wut kochen lassen – Unschuldige werden hingeschlachtet, weil selbsternannte Wächter des Glaubens es für gerechtfertigt halten.
Wie viele verurteile auch ich jene, die im Namen Gottes die Welt in ein Schlachtfeld verwandeln. Dennoch mahne ich mein Gewissen: Keine Religion oder Gemeinschaft trägt allein die Schuld an diesem globalen Chaos.

Ich hielt mich immer für einen toleranten Menschen – einen Intellektuellen, der Kasten, Glaubensrichtungen oder Sekten nicht diskriminiert. Bis zu jenem Tag, an dem ich mit meinen eigenen Vorurteilen konfrontiert wurde.

Es war ein ganz normaler Abend. Mein Mann und ich schlenderten durch einen malerischen Garten mit See, eine der Top-Touristenattraktionen unserer Stadt.

An diesem Feiertag wimmelte es von Menschen, die wie wir dem Alltagsstress entfliehen und Zeit mit Liebsten genossen.

Ich fühlte mich rundherum glücklich in dieser friedlichen Oase inmitten des Trubels.

Plötzlich trat eine junge Frau auf meinen Mann zu und bat um sein Handy für einen dringenden Anruf. Sie lächelte freundlich und wirkte unschuldig. Doch als ich ihre Burka sah, verflog meine Sympathie. Für einen Moment übermannte mich eine Welle aus Misstrauen und Intoleranz. Bevor ich protestieren konnte, reichte er ihr das Telefon.

Sie telefonierte kurz, gab es zurück und bedankte sich mit einem herzlichen „Shukriya“.

Ich war aufgewühlt und machte mir Sorgen um den Anruf. Mein Mann blieb gelassen, ohne jede Spur von Furcht. Ich hielt sein Schweigen nicht aus und fuhr ihn an: Wie konntest du so leichtsinnig sein und einer Fremden – einer Muslimin! – dein Handy geben?

Mitten in meinem Ausbruch näherten sich dieselbe junge Frau mit ihrer Familie. Ihr Onkel, ein älterer Herr, dankte uns überschwänglich. Sie sei seine Nichte aus der Fremde, sie hatten sie im See-Garten verloren. Ihr Handy lag bei der Tante – daher der Anruf.

Ich schämte mich tief für meine Engstirnigkeit. Gleichzeitig war ich dankbar für meinen Mann, der einfach menschlich gehandelt und geholfen hatte.

Ein kleiner Vorfall, doch er zeigte mir schlagartig, wie schnell wir uns aufgrund von Religion oder Äußerem vorverurteilen. Unter der Burka steckt ein Mensch wie du und ich. Keine Lehre fordert Hass – wir sind alle gleich.

Als sie gingen, flüsterte meine innere Stimme: „Shukriya!“
(Von Preeti Binoy)