Letzte Woche kündigte die Schule meiner Tochter eine Ramayana-Aufführung an. Jedes Kind sollte eine Figur oder Episode aus diesem epischen Epos darstellen und ein paar Zeilen vortragen. Sofort brach unter den Müttern ein Wettstreit aus: "Welche Rolle hat deine Tochter?" Jede wollte heimlich Sita für ihr Mädchen – die Verkörperung idealer Weiblichkeit. Mit zu vielen Kandidatinnen und nur einer Sita war das Chaos vorprogrammiert. Als ich die Liste sah, entdeckte ich, dass meine Tochter den Kishkindha-Kanda präsentieren sollte. Zuerst war ich ratlos: Ort, Figur oder was? Nach intensiver Recherche wusste ich Bescheid: Kishkindha Kanda ist der Abschnitt, in dem Sugriva mit Ramas Hilfe seinen Bruder Vali besiegt und den Thron zurückerobert.
Meine Tochter war enttäuscht – nicht Sita zu sein, fühlte sich wie ein Rückschlag an. Tagelang überzeugte ich sie, stolz Maharishi Valmiki zu verkörpern, den weisen Dichter des Ramayana. "Intelligenz zählt mehr als Schönheit", betonte ich. Die Vorfreude auf Kostüm und Auftritt siegte schließlich über ihre Skepsis.
Heute Morgen, als Valmiki verkleidet, gingen wir fröhlich zur Bushaltestelle. Doch das Mädchen, das mit einstieg, war als Shurpanakha geschmückt: Prächtiger Lehenga-Choli, roter Lippenstift, Kajal und Rouge auf ihren rundlichen Wangen. Stolz prahlte sie: "Shurpanakha ist so schön! Schöner als Sita!" Dann spottete sie über die Frisur und Kleidung meiner Tochter: "Du siehst aus wie ein Junge. Schau dir meinen Lehenga an!" Ich wartete auf eine starke Reaktion meiner Kleinen, doch sie brach in Tränen aus und versteckte sich hinter mir. Meine Woche der Vorbereitung zerbrach vor meinen Augen.
Ich zog sie beiseite, schaute ihr tief in die Augen und versicherte: "Du siehst toll aus. Konzentriere dich auf deine Rolle." Doch die Scham über das 'männliche' Kostüm saß tief. Der Bus kam, und sie stieg weinend ein.
Das lässt mich nachdenken: Wie lange brauchen wir, um Geschlechterstereotype abzubauen? Trotz Feminismus hängen wir an Schönheitsidealen. Warum müssen wir Töchter beruhigen, dass sie trotz 'nicht-Sita' schön sind? Schönheit ist mehr als Äußerlichkeiten – fern von Magazincovern, Stars wie Katrina Kaif oder Deepika Padukone, Elsa oder Barbie. Es geht darum, das beste Ich zu sein. Ich möchte meiner Tochter beibringen: Wahre Schönheit liegt im Selbstvertrauen, ob als Tadka, Sita oder sogar Ravana.