Als ich mit knapp sieben Jahren zum ersten Mal sexuell belästigt wurde, veränderte sich mein Leben grundlegend. Ich fuhr mit meinem Fahrrad, als ein Mann mich anfuhr – zumindest dachte ich das zunächst. Plötzlich sprang er auf mich zu und versuchte, seine Hand in mein Oberteil zu stecken. Erschrocken rannte ich so schnell wie möglich nach Hause. Als jüngstes und am meisten verwöhntes Kind in der Familie wollte ich niemandem davon erzählen. Ich fürchtete, das Bild meiner unbeschwerten Kindheit zu zerstören und nicht mehr das "kleine Mädchen" zu sein. Stattdessen begann ich, meine körperliche Entwicklung zu hassen. Ich mied es, gut auszusehen, wenn ich das Haus verließ, und wehrte jeden Gedanken an Urlaube oder öffentliche Verkehrsmittel ab. Ein anzüglicher Blick, Pfeifen, aufdringliche Berührungen oder Kommentare lösten Panik in mir aus. Ich machte meinen Eltern das Leben schwer – zum Glück besuchte ich eine Klosterschule, wo ich Männern leicht ausweichen konnte.
Im Laufe der Zeit verblasste die Narbe etwas. Beim Studium lernte ich, mit unerwünschter Aufmerksamkeit umzugehen: Ich schnauzte zurück, schrie, tat alles, um nicht als Opfer zu gelten. Noch heute erfüllen mich Berichte über Vergewaltigungen mit Hilflosigkeit.
Als meine Tochter 2011 geboren wurde, war ich überglücklich, doch meine Schutzbereitschaft gegenüber Fremden wurde extrem. Jede Minute, in der sie außer Sicht war, rasten düstere Gedanken durch meinen Kopf.
Ein Erlebnis im Taxi veränderte meine Perspektive. Ich brachte sie zu meinen Eltern nach Delhi. Der Fahrer schaute ständig zu ihr zurück, stupste sie an – sie lachte fröhlich, ich wurde zunehmend unruhig. Ich bat sie, sich von ihm fernzuhalten, doch sie weigerte sich. Hilflos fuhr ich sie an. Der Fahrer bemerkte es und sagte: „Madamji meri beti bhi apki beti jitni hai. Wo Gaon Hauptrehti hai. Mujhe apki beti ko dekh kar apni gudiya ki yaad aa gayi“ (Madam, meine Tochter ist genauso alt wie Ihre. Sie ist in meinem Dorf geblieben, Ihre Tochter erinnerte mich an sie). Ich war sprachlos und lächelte. Am Ziel ließ ich sie ihm die Hand geben und betete stumm: „Ich hoffe, meine Tochter muss nie einen Fremden misstrauen oder Respektlosigkeit erleben. Amen.“