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Ich jammerte über den Alltag – sie kämpfte ums Leben: Die inspirierende Geschichte meiner Freundin Jyoti Saini

Ich jammerte über den Alltag – sie kämpfte ums Leben: Die inspirierende Geschichte meiner Freundin Jyoti SainiSie war ein ganz normales Mädchen, doch sie lebte und liebte mit voller Leidenschaft. Wir wohnten nah beieinander, wurden schnell enge Freundinnen. Gemeinsam besuchten wir Kurse, schwärmten von Jungs und genossen scharfes Essen. Immer mit einem Lächeln im Gesicht und Leichtigkeit in den Schritten – so war sie. Nach ihren Schulabschlussprüfungen ging sie an eine Ingenieurschule, ich studierte Journalismus. Im Lauf der Jahre verloren wir den Kontakt. Vor ein paar Jahren dachte ich an sie, als ich einen Blog über meine besten Freundinnen schrieb. Ich suchte sie in sozialen Netzwerken, vergeblich. Keine gemeinsamen Bekannten, die ich fragen konnte – ich gab auf.

In diesem Neujahr bekam ich viele Nachrichten von unbekannten Nummern und antwortete routiniert mit 'Danke'. Doch eine schrieb 'Pehchana?' – Erkannt? Das Profilfoto zeigte sie in einem schlichten Salwar Kameez, unverändert. Aufgeregt bombardierte ich sie mit Fragen. Sie antwortete bedächtig. Dann schickte sie mir das Cover eines Buches: 'Let Life Be Light, The Benefits of IgA Nephropathy' – Autobiografie von Jyoti Saini. 'Nephropathie' klang ominös; eine Google-Suche schockierte mich. Ich stellte Fragen, doch sie bestand darauf: Lies es zuerst. Ich bestellte es und verschlang es in zwei Abenden.

Wir hatten uns zuletzt 2003 gesehen; das Buch schildert ihr Leben von 2004 bis 2016. Eine seltene Nierenerkrankung traf sie genau dann, als sie eine Karriere startete. Jobsuche, Krankheitskampf, Liebe dazwischen, Dialyseangst. Sie probierte jeden Arzt mit Hoffnung aus. Depressionen durchleben, sich erheben. Zu Gott finden für Kraft. Vom schmerzhaften Dialysealltag zur Nierentransplantation.

Es tat weh zu ahnen: Während ich über Liebeskummer, Jobstress, schwierige Schwiegereltern, Gewicht und Fristen jammerte, kämpfte sie still gegen eine lebensbedrohliche chronische Erkrankung.

Sie startete mit Schulmedizin, doch Steroide jagten ihr Angst ein. Sie wechselte zur Homöopathie, probierte Naturheilkunde und Ayurveda. Erst als nichts half, gab sie sich der Schulmedizin hin. In tiefsten Tälern fand sie Humor und Hoffnung. Über einen Homöopathen in Pune schreibt sie: 'Er döste mitten im Gespräch. Ich wusste nicht, ob er mich verstand. Auf dem Heimweg lachte ich Tränen.' Mitten in der Dialyse ließ sie Bollywood-Musik spielen, um Schmerzen zu vergessen. Die Nacht vor der OP teilte sie das Zimmer mit einer schmerzgequälten Patientin. Die Schreie ertrug sie nicht – sie tauschte heimlich Nachtwäsche und Bademantel, schlich sich nachts zum Mann vor die Tür und war zurück, bevor jemand merkte.

Inspiriert fragte ich nach ihrer Kraftquelle. Leichthin: 'Ein bisschen Wahnsinn hilft. Er gibt den Willen, alles zu tun.' Treffend – wir geben zu früh auf, sie nie. Heute sagt sie fröhlich: 'Neulich Katarakt, aber bald fix.'