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Von der Angst zur Stärke: Meine einsame Nacht in Delhi NCR und der Kampf gegen Verletzlichkeit

Von der Angst zur Stärke: Meine einsame Nacht in Delhi NCR und der Kampf gegen VerletzlichkeitIn einer dunklen, einsamen Nacht in Delhi NCR kämpfte ich mit meiner inneren Verletzlichkeit. Es war August, mitten in der 'Season Sale'-Zeit in den großen Einkaufszentren. Wie so viele Frauen ließ ich mich von den Angeboten locken. Die Wahl fiel schwer: Das Gefällte passte nicht, das Passende sah im Spiegel seltsam aus. Ich verlor jedes Zeitgefühl und merkte erst spät, dass es zu lange gedauert hatte. Um 21:40 Uhr stieg ich an der nächsten U-Bahn-Station ein und fuhr zurück. Anders als sonst wählte ich den gemischten Waggon. Ich schätzte die Fahrzeit bis zur Endstation Noida City Centre ab.

Ich blickte mich um: Ich war die einzige Frau. Ich zog einen Roman hervor und las. Manche Männer warfen neugierige Blicke auf das Buch, andere musterten mich flüchtig. Das störte mich nicht – ich hätte an ihrer Stelle eine Frau mit vollen Einkaufstüten ebenso angestarrt. In einer Stadt, wo wir täglich von Belästigungen oder Vergewaltigungen hören, sind wir Frauen sensibel für Gefahren. Unser Instinkt warnt früh. An jenem Abend wirkten die Blicke harmlos, daher blieb ich entspannt.

Mit jeder Station stiegen Männer aus. Endlich Endstation: 22:55 Uhr, mein Handy-Akku leer. Nun der Kampf um eine Mitfahrgelegenheit nach Hause. Meine selbstbewusste Mitbewohnerin hatte mal ein Auto statt Taxi genommen. Ich riet ihr zu Taxis wegen der Nachverfolgbarkeit. Sie lachte und erklärte: „Die menschliche Natur ist unberechenbar. In einem Auto kannst du bei Gefahr leichter aussteigen als in einem verschlossenen Taxi.“ Wir lachten herzlich, doch ihre Worte hallen bei mir nach, wenn ich nachts unterwegs bin. Sie beeinflussen mich unbewusst – ich bevorzuge 'türlose' Autos.

An diesem Abend vor dem Unabhängigkeitstag standen wenige Autos Schlange, die meisten waren schon weg. Ich stieg ein. Der Weg war üblich gerade zur Hauptstraße. Ihre Worte brachten mich zum Schmunzeln – sie saßen tief.

Plötzlich ruckte das Auto scharf rechts ab. Der Fahrer wich von der Route ab in eine dunkle Gasse. Ich fragte nach, er grinste: „Arrey Madam, ich hole nur Luft für die Reifen.“ Ich forderte ihn auf, mich rauszulassen und zurückzukehren. Er ignorierte mich und raste weiter. Mein Instinkt schrie: Raus! Mit einem lauten Befehl stieg ich aus, noch bevor er hielt. Er starrte mich kalt an und floh.

Ich stand da, erstarrt, klammerte mich fest. Am Rande der Panik tastete ich mich zur Hauptstraße vor. Die Angst lähmte mich; selbst helle Lampen gaben kein Sicherheitsgefühl. Gedanken rasten: 'Was, wenn er ehrlich war? Oder hat dunkle Pläne?' Schlimmere Szenarien quälten mich: Langsamer Tod oder Übergriff?

Ich prüfte vergeblich das tote Handy, wartete auf das nächste Auto. Zu Hause ließ ich Frust und Wut raus. Hatte ich falsch gehandelt? Zu lange shoppen? Allein unterwegs ohne Begleitung? Den 'Regeln' widersprochen, dass Frauen nachts vulnerabel sind?

Diese Nacht brach mich nicht. Sie machte mich mental stärker. Die latente Angst vor Verletzlichkeit verschwand. Ich gebe mich nicht der Idee hin, dass Frauen nachts hilflos sind. Ich bin vorsichtiger, nehme aber weiterhin Nachtfahrten – und lächle bei den Worten meiner Mitbewohnerin: „Aus einem Auto kannst du leicht springen, wenn's schiefgeht.“

Von Joonak Konwar