Ich verliebte mich in dem Moment, als Ashok im abgedunkelten Konferenzraum seine 20-minütige Präsentation zur neuen Marketingstrategie des Unternehmens begann. Sein selbstbewusstes Auftreten, die leidenschaftlichen Gesten beim Sprechen und seine höfliche Art, sich bei allen zu bedanken und die Tür aufzuhalten, faszinierten mich. Mein Herz raste, als er mich anhielt: „Sind Sie neu hier? Ich habe Sie noch nie gesehen.“ Ich stellte mich als neue Systemanalystin vor. Sein Lächeln und der herzliche Händedruck mit guten Wünschen ließen mein Herz höher schlagen. Als innovatives Startup genossen wir ein entspanntes Arbeitsklima, in dem alle per Du und Vornamen angesprochen wurden. Beim nächsten Treffen in der Cafeteria verzog Ashok das Gesicht über den fade Kaffee aus dem Automaten. „Wir müssen etwas gegen diesen Schrecken unternehmen. Wie trinkst du das nur?“, fragte er mich.
Sein intensiver Blick machte mich sprachlos. „Komm, Preeti, lass uns um die Ecke einen echten Kaffee holen“, schlug er vor.
So entstand unsere enge Freundschaft. Ich konnte kaum glauben, dass er mich mochte – oder war es nur seine Freundlichkeit? Jedenfalls war ich hingerissen. Unser tägliches Kaffeeritual wurde zu meinem Highlight. Wir öffneten uns, teilten Leidenschaften für Bücher und Filme. Ich war verliebt und bemühte mich, ihn zu beeindrucken: mehr Make-up, recherchierte kluge Fragen, sogar Humor, um seine Grübchen zu sehen.
Doch es gab einen Haken: Ashok war verheiratet. Ich wusste, Flirten mit einem verheirateten Mann war falsch. Eine innere Stimme flüsterte jedoch: „Warum nicht? Jeder verdient Glück.“ So fuhr ich fort.
Ashok organisierte eine große Geburtstagsfeier für seinen 5-jährigen Sohn Rajiv – das ganze Büro war eingeladen. Ich lernte seine charmante Frau und den entzückenden Jungen kennen. Die Party war ein voller Erfolg. Rajiv mochte mich, wir spielten stundenlang PS3. Später auf dem Balkon im 6. Stock fütterten wir Tauben, als mein lockeres Armband abrutschte und hinunterfiel. Rajiv rannte los, um es zu holen. Er kam atemlos und zerzaust zurück: „Tante, der Aufzug ging nicht, ich musste die Treppen nehmen.“
Ich lächelte ihn an, während Ashok und seine Frau mit Gästen plauderten. Sie hatten ein wunderbares Kind erzogen. In diesem Moment wurde mir klar: Ich musste diesen Wahn beenden. Nicht nur um gesellschaftliche Normen zu wahren, sondern für dieses Kind und seine intakte Familie.
(Namen wurden auf Anfrage geändert)
(Von Ramya Vivek)