Es schlich sich in meinen Kopf, noch bevor ich es bemerkte. Wie ungeladene Verwandte, die sich häuslich einrichten und nicht wieder gehen, machte es mein Gehirn zu seinem Zuhause.Anfangs ignorierte ich es, suchte Trost in Essen, Filmen und Schlaf – meinen bewährten Zufluchten. Doch diesmal versagten sie.
Langsam wurde der ungebetene Gast zur Plage. Er brachte Frustration und Traurigkeit mit sich. Ich erkannte: In meinem Kopf hauste ein Feind. Ich kämpfte verbissen. Er raubte mir den Schlaf, meinen treuen Begleiter, und jede Nacht rang ich allein mit ihm, flehte ihn an, zu gehen.
Schließlich wurde mir klar: Dieser Kampf war zu groß für mich allein. Er forderte Tribut von meinem Privat- und Berufsleben, weckte unbekannte Seiten meiner Persönlichkeit. Die Kontrolle entglitt mir. Es gab Tage, an denen ich mich im Spiegel nicht wiedererkannte – mit geschwollenen Augen und leblosen Lippen, die das Lächeln vergessen hatten.
Als meine Emotionen überwältigend wurden, offenbarte ich einem Kollegen mein Geheimnis. Sie hörte zu – und plötzlich teilten wir denselben Feind. Auf ihren Rat suchte ich einen Therapeuten auf, der geduldig zuhörte und mit bewährten Methoden half, den 'Affen' zu vertreiben.
Monate des Kampfes vergingen, doch ich gab nicht auf. Ich folgte dem Rat des Therapeuten, öffnete mich engen Freunden. Sie stellten sich schützend neben mich. Schließlich kapitulierte das Monster, das der Therapeut 'Depression' nannte, vor meiner wachsenden Unterstützung.
Heute denke ich mit einem Lächeln an diese dunkle Phase zurück. Sie schenkte mir Verbindungen zu anderen Betroffenen und zu Menschen, die trotz allem an mich glaubten.
Sie lehrte mich: Akzeptiere die Umstände und kämpfe frontal dagegen an.
Leben zu fühlen ist ein Geschenk!
Darum nenne ich dieses Monster, das ich nie wieder treffe, einen Freund.