Repräsentatives Bild
Sie blickte ihn ehrfürchtig und gebannt an, als wäre er ein schlafender Engel in einer weichen, wolkenweißen Baumwolldecke, direkt vom Himmel gefallen. Jeden Morgen war es ihr Ritual, die Erste zu sein, die er sah. Mit sanften Streicheln durch sein Haar, zarten Fingern über seinen Körper, kühlen Luftzügen im Nacken und einem leisen Kuss auf die Wange weckte sie ihn behutsam. Er lächelte mit geschlossenen Augen, und schließlich öffnete er sie Zentimeter für Zentimeter. „Guten Morgen, Liebling“, flüsterte sie ihm ins Ohr – genug, um seinen Tag zu versüßen.
„Ich liebe dich“, waren seine ersten Worte in ihrer Hochzeitsnacht, direkt in ihre Augen schauend, ihre Hände in seinen. Ein Blick, den sie nie vergessen würde. Keine leeren Phrasen, sondern eine Liebe, die er jeden Moment seines Lebens bewies. Er liebte sie lachend, weinend, glücklich, traurig, fröhlich oder verärgert. Sie erwiderte seine Zärtlichkeit mit gleicher Intensität. Natürlich gab es Stürme, doch sie erreichten nie die Tiefe ihrer Bindung. Ihr Leben war die Geschichte, nach der jedes Mädchen sich sehnt.
Die Uhr zeigte 20 Uhr. Eine romantische Nacht wie aus dem Bilderbuch. Sterne funkelten, der Mond tauchte ihre samtige Haut in perlmuttfarbenes Licht. Sie stand auf der Terrasse in ihrem roten Lieblingssari – seinem Geschenk –, wartete sehnsüchtig auf ihn zum ersten Hochzeitstag. In ihrem Bauch trug sie die freudige Nachricht, auf die sie sich so gefreut hatte. Sie legte die Hände auf ihren Bauch, schloss die Augen und lächelte glücklich.
Er schlief friedlich in den pastellfarbenen Morgenstrahlen, die durch die Vorhänge sickerten. Sie näherte sich leise. „Guten Morgen, Schatz“, murmelte sie und küsste seine Stirn. Er blinzelte, lächelte und umarmte sie. „Guten Morgen, Mumma“, sagte er mit honigsüßer Stimme, seine kleinen Händchen um ihren Hals legend. Fünf Porträts beobachteten sie vom Nachttisch: Sie beide. Sie drückte ihr Kind an sich, doch ihr Blick traf plötzlich sein Foto. Immer noch lächelnd schaute er sie an. Aber sie konnte nicht lächeln. Vielleicht war sie noch immer wütend, dass er in jener Nacht – und für immer – nicht zurückgekehrt war. Sie starrte ihn an, mit leeren Augen. Rot war nicht mehr ihre Lieblingsfarbe.
– von Sweta Mazumdar