Repräsentatives BildEs war ein Mittwoch im Oktober. Ich musste um 7 Uhr im Büro sein und war früh aufgestanden. Eine Rikscha war nicht verfügbar, und um 6:40 Uhr eilte ich die Hauptstraße entlang. Wegen Online-Prüfungen musste ich pünktlich erscheinen – Verspätung würde notiert. Ich bangte vor den roten Ampeln: Die erste hielt mich 70 Sekunden auf, die nächste schätzte ich auf 120 Sekunden.
Am Signal sah ich unter der Überführung schlafende Straßenhändler und ihre Kinder – obdachlos und hilflos. Ein kleines Mädchen, kaum 7 oder 8 Jahre alt, war wach. Sie hielt ein in Zeitung gewickeltes Pav (indisches Fladenbrot) und blickte abwechselnd darauf und auf die vorbeifahrenden Autos. Um sie herum schliefen Geschwister.
Plötzlich drehte sich ein Junge im Schlaf um und trat einem Kleinkind auf den Kopf. Das Baby wachte weinend auf. Das Mädchen schüttelte den Jungen wach, schimpfte besorgt und ließ ihr Brot fallen – statt zu essen, kümmerte sie sich um die Kleinen. Kein Erwachsener war wach; sie übernahm die Verantwortung.
Als meine Rikscha weiterfuhr, dachte ich: Wir Privilegierten klagen über Kleinigkeiten, während diese Menschen ums Überleben kämpfen. Sie verkaufen an Ampeln, schlafen unter Brücken, kommen aus Dörfern in die Stadt. Wer zählt sie als Individuen? Sind sie sicher?
Ich kam verspätet ins Büro, doch das Gesicht des Mädchens vergaß ich nicht. Solche Kinder wachsen schnell heran – manche meistern das Leben ohne Bildung, andere finden falsche Wege. Wir jammern über Triviales, sie klagen nie. Diese Begegnung hat mich tief berührt. Nächstes Mal winke und lächle ich ihr zu – als Zeichen des Respekts.
— Von Divya Venkateswaran