Das traditionelle gälische Wort für Großmutter lautet seanmháthair (ausgesprochen: Shan-a-waw-her), was wörtlich „alte Mutter“ bedeutet. Häufige Varianten sind seanmháthair, sean mhathair. Dieser formelle Begriff wird selten direkt zur Ansprache genutzt. Stattdessen sagen Kinder liebevoll Maimeó (Mam-yo) oder Móraí (Mo-ree).
Weitere gängige irische Namen für Großmutter sind Mamó (ma-moh), „große Mutter“, und mháthair chríona (maw-her khree-uh-na), „weise Mutter“. Letzteres wird manchmal fälschlich als „Mutter des Herzens“ übersetzt – tatsächlich bedeutet „críona“ „weise“ oder „klug“, während „croí“ „Herz“ heißt.
Mamó und weise Mutter zählen zu den formelleren Begriffen wie seanmháthair, wirken jedoch herzlicher und lassen sich leicht zu Kosenamen verkürzen.
Irische Großmutter-Namen haben sich international weniger durchgesetzt als etwa die deutsche „Oma“ oder die italienische „Nonna“ – vor allem wegen der kniffligen Schreib- und Ausspracheweisen. Tatsächlich nennen viele irische Kinder ihre Großmütter einfach Granny, Grandma, Nana oder Nanna, wobei Nana am populärsten ist.
Die formelle Bezeichnung für eine Urgroßmutter ist sin-seanmháthair. Das irische Wort für Enkelin lautet gariníon (ga-ri-neen), für Enkel gariníon (gar-a-wok).
Die irische Familienkultur
Großfamilien spielen in Irland eine zentrale Rolle, allerdings anders als in vielen anderen Kulturen. Kinder erhalten oft den Namen eines Großelternteils, und die Familienmatriarchin – meist die Großmutter – übt großen Einfluss aus. Sie agiert häufig als „Verwandtenpflegerin“, koordiniert Kontakte und organisiert Treffen. Besonders typisch: Die Kommunikation läuft oft indirekt über Dritte, statt direkt.
Irische Familien sind selten eng und vertrauensvoll. In Krisen wenden sich viele nicht an Verwandte aus Scham, sondern an Freunde oder Nachbarn. Das Teilen von Gütern und Diensten ist eine alte Tradition zur Bewältigung wirtschaftlicher Herausforderungen.
Irische Großeltern betonen Unabhängigkeit und Aktivität. Viele leben allein; bei Pflegebedarf übernehmen Familienmitglieder die Betreuung.
Kinder genießen in Irland hohes Ansehen – die Toleranz gegenüber ihrem Spieltrieb ist groß. Disziplin kommt meist bei Älteren zum Einsatz.
Die Ehe erfolgt spät: Frauen heiraten im Schnitt mit 33, Männer mit 35 Jahren. Junge Großeltern sind daher rar. Scheidungen, legal erst seit 1995, bleiben selten wegen Kosten und Aufwand. Gemischte Familien sind unüblich – weniger als 3 % der Kinder leben bei Stiefeltern. Lebenspartnerschaften und eingetragene Partnerschaften seit 2010 sind hingegen weit verbreitet.
Großelterntag in Irland
Irland feiert keinen offiziellen nationalen Großelterntag, doch katholische Traditionen ehren sie. Während der Katholischen Schulwoche, die am letzten Sonntag im Januar beginnt, gibt es einen speziellen Tag für Großeltern.
Jährlich pilgern Tausende Großeltern für ihre Enkelkinder nach Knock Shrine in County Mayo. Ursprünglich in England gestartet, lockt die Veranstaltung nun über 10.000 Teilnehmer pro Jahr, laut Katholischem Großelternverband. Kinder schreiben Gebete für ihre Großeltern, die diese mitbringen.
2008 verfasste Papst Benedikt XVI. ein Gebet speziell für irische Großeltern, das bei Feiern genutzt wird.