Ab welchem Alter wird aus einem Jungen ein Mann? Und wann wird ein Mann plötzlich 'Onkel ji'? Irgendwann im Leben spürt man, dass die Jugendzeit vorbei ist. Manche merken es durch körperliche Signale, begleitet von Sätzen wie: "Yaar, pehle toh itna araam se pee leta tha, aaj pata nahin kya hua" (Kumpel, früher konnte ich das locker trinken, heute weiß ich nicht, was los ist).
Oft ist es aber jemand anderes, der einen auf den verpassten Saufgelage-, Party- und College-Flirt-Alter hinweist. Ich war etwa 26 oder 27, fühlte mich noch wie ein Teenager. An einem Arbeitstag verließ ich das Büro früh und stand vor meiner Wohnsiedlung, vertieft in die Wahl zwischen 500 ml oder 1-Liter-Soda. Mit 37 Rupien in der Tasche fiel die Entscheidung leicht – ich steuerte den Eckladen an, der alles von Paan bis Pornos bot.
Vom überfüllten Spielplatz rollte ein Tennisball auf mich zu, umgeben von aufstrebenden Sachin Tendulkars und Ronaldos. Ich überlegte, ob ich ihn dem schlaksigen Sardari-Jungen, der ungeduldig wartete, zurücktreten oder werfen sollte.
Da fiel der Satz: "O Onkel, ball dijiye na" (Oh Onkel, gib mir bitte den Ball).
Ich erstarrte. Gewöhnt an Bhaiya, Bhai oder Beta – aber Onkel? Ich schaute mich um, doch es galt mir. Unbeholfen warf ich den Ball zurück. Er war Schulkind oder Student – warum Onkel?
Der Durst war verflogen. Stattdessen fragte ich in der Drogerie nach einer Creme gegen die sieben Anzeichen der Hautalterung. Der Verkäufer blinzelte nicht mal, als ich sagte, sie sei für meine Oma. Für 650 Rupien konnte ich sie haben, bar.
Zu Hause schmierte ich die Salbe dick auf. Ich musste jung bleiben – kein Junge würde mich je wieder Onkel nennen. Na ja, zumindest nicht die nächsten zehn Jahre...
Anti-Aging-Creme? Check. Fitnessstudio-Mitgliedschaft? Check. Hausgemachte Tiffins? Check. Kein Fast Food unter der Woche? Check. Weniger Softdrinks, Alkohol, Zigaretten? Ähm, check.
Die Reise zu einem gesünderen Leben begann. Ich las sogar, was Teens lesen: Von der Twilight Zone zur Twilight Saga.
Aber etwas passte nicht. Taylor Swift oder EDM? Nichts für mich. Ich wuchs mit Backstreet Boys, Indipop, Bryan Adams und Lucky Ali auf. Kein 16-Jähriger würde mich umstimmen.
Jung aussehen und jung sein sind zweierlei, dachte ich. Doch mehr 'Onkel ji'-Rufe folgten. "Nenn mich Bhaiya, nicht Onkel", bat ich die 10-jährige Tochter einer Kollegin. Sie kicherte: "Aap toh Onkel ho... Onkel!"
Kleiner Teufel! Zu Dussehra zu Hause fragten Verwandte statt Karriere nach Heirat. @#*$^÷
Mein Vater und ich überquerten eine Straße – "O Onkel!" – beide drehten wir uns um.
Kein Entrinnen. Der peinlichste Moment: Im Treppenhaus (Aufzug defekt) hörten Kinder Schritte: "Yaaar, Tante aa rahi hai, utna padhega." Dann sah ich sie. Kind 2 rannte herbei: "Onkel, issne aapko aunty bola! Maariye isse!" (Er nannte dich Tante, schlag ihn!)
Ich gab einen sanften Klaps. Kind 2, der Schnatz, bekam einen Tadel: "Er sagte es blind, du siehst mich und nennst mich Onkel. Was nun?"
Ich gab auf. Kein Workout dreht die Uhr zurück. Regime beendet: Creme verschenkt, Gym gekündigt, Tiffins gestrichen, Fast Food erlaubt.
Seit 4-5 Jahren ist 'Onkel' normal (außer bei jungen Kolleginnen, die 'Bhaiya' sagen). Es stört nicht mehr. Ich sehe mich als Mann Anfang 20. Aber ich schmunzle: Dieser Sardari-Junge wird bald selbst 'Onkel' hören.
Schade, dass ich sein Gesicht nicht sehe.
(Von Kanishka Chakrabarti)