Konna Poovu (Cassia Fistula)Bestimmte Düfte, Speisen, Melodien oder Objekte haben die magische Fähigkeit, uns direkt in die Kindheit zurückzuversetzen. Manche dieser Erinnerungen sind fröhlich, andere nostalgisch, wieder andere bitter. Die fröhlichen und nostalgischen sind am schönsten. Sie katapultieren uns in eine vergangene Zeit, und unser Blick wird sofort verschwommen und fern – ein Ausdruck, der andere oft irritiert.
Bei mir bewirkt die Konna Poovu genau das. Sobald ich den Baum in voller Blüte sehe, macht mein Herz einen freudigen Sprung, und mein Geist taucht in einen Strom nostalgischer Bilder ab. Eine Welle aus Glück und Wehmut überflutet mich zugleich. Glücklich bin ich, weil sie mich an meine Ammumma (Großmutter auf Malayalam) und das wunderschöne Vishu Kani erinnert, das sie jedes Jahr akribisch im Gebetsraum arrangierte. Traurig, weil ich nie wieder jenes sorgenfreie, etwas pummelige Kind sein kann.
Vishu markiert das malayalische Neujahr. Jeden Vishu-Tag weckte sie mich zwischen 4 und 5 Uhr morgens, legte mir eine Augenbinde auf und führte mich an der Hand in den Gebetsraum. Dort nahm sie die Binde ab, und ich durfte das prächtig arrangierte Vishu Kani bestaunen: Konna Poovu umrankte die Götteridole, umgeben von Früchten, Blumen und Geldopfern.
Ein solcher Start verspricht einen wunderbaren Tag. Danach folgten Aktivitäten wie ausgelassenes Essen, Geschenke in Form von Kleidung und Geld von den Ältesten sowie Besuche bei Verwandten – je nach Völlerei an Sadhya, dem traditionellen Kerala-Festmahl auf Bananenblättern.
Jedes Jahr schleppte ich stolz eine pralle Ledertasche mit Geldscheinen herum. Für diesen einen Tag fühlte ich mich wie ein wichtiger Bankier, der die Scheine hütet, zählt und vor Diebstahl schützt – sei es beim Pinkeln, Essen oder Schlafen.
Ich träumte von Burgern, Medu Vadas, Kerala-Brathähnchen und Sharjah-Shakes, die ich mit meiner Beute genießen würde. Doch meine listige Mutter lockte mich abends mit glänzenden Münzen in ihr Zimmer und überredete mich, dass 1 Re einer 100-Rupien-Note gleichkommt. Jährlich fiel ich darauf herein – Münzen wogen schwerer als diese zerknitterten Scheine. Ich schob ihr die Tasche zu, holte mein rosa Sparschwein hervor und überwachte sie eifersüchtig: Rs 5.000 hießen 50 Ein-Rupien-Münzen, Rs 10.000 genau 100. Nach dem Zählen schlief ich selig ein, das Schweinchen am Kopfkissen.
Doch alle guten Dinge enden. Am nächsten Morgen pochte der Vishu-Kater, und die neuen Kleider passten entweder zu eng oder zu weit – typisch für ein dickes Kind. Seufz!
- Von Gayatri Bhadran