Ich war noch nicht bereit für die Ehe, doch meine Eltern drängten mich mit emotionaler Erpressung. Im November 2014 gab ich nach und schloss den Bund fürs Leben mit Suyanshi. Danach war nichts mehr wie zuvor. Es war unsere Hochzeitsnacht, jene Nacht, von der viele Männer träumen. Nach langem Zögern betrat ich das Zimmer. Sie saß auf dem Bett, wunderschön in ihr Brautkleid gehüllt. Es fiel mir schwer, nicht von ihr angezogen zu sein – und doch schaffte ich es nicht. Ich versuchte, mit ihr intim zu werden, doch ich scheiterte. Mit all meinem Mut versuchte ich es erneut, weil meine Eltern mir versichert hatten, die Ehe würde alles richten. Aber ich scheiterte. Die Nacht verstrich, und ich beschloss, einfach zu schlafen und die Peinlichkeit vergehen zu lassen.
Am nächsten Morgen lag sie schlafend neben mir. Ich sprang hastig auf, duschte und fuhr stundenlang mit dem Auto davon, um den Hochzeitswahnsinn zu Hause zu entfliehen. Erst ein Anruf meines Vaters zwang mich zur Rückkehr. Zu Hause drehten sich alle um die Pagphera-Zeremonie, die in der Nacht folgen sollte.
Zu meinem Unbehagen wurde ich in die Vorbereitungen hineingezogen. Ich ignorierte Suyanshi den ganzen Tag; nachts kehrte sie zu ihren Eltern zurück. Eine Woche später war sie wieder da – und ich war alles andere als erfreut. Die seltsame Spannung im Schlafzimmer war greifbar. Ich spielte den perfekten Ehemann, doch wie erwartet misslang es. Sie bemühte sich, mich anzuziehen, scheiterte aber ebenfalls. Das war erst der Anfang.
Als alles scheiterte, wollte sie reden, doch ich schlief ein. Beim Aufwachen stand sie am Fenster, müde und traurig. Sie setzte sich zu mir und stellte die unvermeidlichen Fragen: „Liebst du ein anderes Mädchen? Gibt es ein Problem mit mir?“ Ich schwieg. Sie rüttelte an mir, forderte eine Antwort. Schließlich war ich ehrlich: „Ich bin schwul. Meine Eltern haben mich gezwungen, dich zu heiraten, um diese Tatsache zu vertuschen, die sie beschämt.“ Ihre Augen weiteten sich vor Schock. Sie schnappte meine Autoschlüssel und fuhr davon.
Tage später kamen die Scheidungspapiere mit einer Notiz: „Ich respektiere deine Sexualität, aber du hättest es mir vor der Ehe sagen sollen.“ Ich unterschrieb und schickte sie zurück – doch ich fand nie den Mut, auf ihre Worte zu antworten. Das bereue ich bis heute. Sie ist fort, hat mir aber geholfen, ehrlich zu mir selbst zu sein. Ich habe gelernt, meine Sexualität zu akzeptieren, und die Welt der Verleugnung hinter mir gelassen. Heute bin ich glücklich als ich selbst.
(Von Arshi Ansari; die Geschichte wurde dem Autor von einem Freund erzählt, dessen Identität anonym bleiben muss.)