Als Kind wurde mir eingebläut, nie ohne Socken das Haus zu verlassen – weder vor Fremden noch vor Verwandten. Ich verstand den Grund nicht. Selbst im Schlafanzug mussten meine Füße bedeckt sein. Heute weiß ich: Es ging um die weißen Flecken an meinen Füßen. Mein Vater fuhr mich zu fernen Heilern, meine Mutter fastete für mich. Ich konnte den Aufwand nicht nachvollziehen. Doch nun ergibt alles Sinn. Die Flecken sind Symptome von Vitiligo, genauer Akro-Vitiligo, das vor allem Fingerspitzen und Zehen betrifft. Ehrlich gesagt, erst als ich mich verliebte, wurde mir klar, wie sehr diese wenigen weißen Stellen mein Leben prägten. Vitiligo betrifft 0,01 Prozent der Bevölkerung – ich gehöre dazu.
Ich traf Menschen, die meine Flecken ignorierten oder neugierig fragten: „Ist das nicht peinlich?“ Meine Antwort: „Nein.“ Manche meinten sogar, ich hätte Glück, dass es nur an Extremitäten sei. Warum also die große Aufregung? Es ist nur eine andere Hautfarbe an bestimmten Stellen – und es kann jeden treffen, jederzeit.
Doch die Realität holte mich ein: Unsere Gesellschaft toleriert Schönheit mit Geheimnissen, aber nicht mit solcher „Schattierung“. Ich fand einen Mann, der meine weißen Spitzen übersah. Doch als ich seine Mutter traf, bat sie mich, die Hausschuhe auszuziehen. Sie warnte vor einer Ausbreitung über den ganzen Körper und wollte nur das Beste für ihren Sohn. Er schwieg. Danach kühlte unsere Beziehung ab. Vitiligo, das er anfangs als unwichtig abtat, zerstörte alles.
Als unabhängige Berufstätige lernte ich daraus: Nur ich kontrolliere mein Leben. Ich wünsche jener Mutter mehr Feingefühl im Umgang mit Menschen.
Umgeben von liebevoller Familie und Freunden bin ich heute stärker. Ich blicke optimistisch in die Zukunft, mit meinem Schicksal in der Hand. Vertrauen fällt schwerer, doch das Leben geht weiter.
Das schreibe ich für alle Frauen mit Vitiligo: Lasst es nicht euer Schicksal bestimmen. Akzeptiert kein Mitleid. Verändert euch selbst, lebt Vorbild. Findet Frieden in euch, nicht bei anderen.
(Von Anonym)