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Die unauslöschliche Narbe: Sexueller Missbrauch an einem Kind und seine lebenslangen Folgen

Die unauslöschliche Narbe: Sexueller Missbrauch an einem Kind und seine lebenslangen FolgenEine Flucht (Bild: Shutterstock). Es war ein Freitagabend, und wir waren alle zu aufgeregt, um nach Hause zu kommen – das Wochenende stand bevor. An der SV Road nahe dem Malad-Bahnhof stieg ich mit Kollegen aus dem Bürobus aus und eilte durch eine Gasse mit Großhandelsläden und Lagern zum Bahnhof.

Klatsch über Büropolitik, Wochenendpläne und Beziehungen erfüllte die Luft. Plötzlich rannte ein Mann um die 45 von links auf uns zu und prallte gegen ein etwa 10-jähriges Mädchen. Sie schrie auf, als sie hinfiel, doch er entkam. Betäubt und weinend blieb sie liegen.

Während einige von uns zu ihr eilten, starrten die Umstehenden nur zu. Passanten reagierten nicht. Direkt daneben ein Teestand: Der Verkäufer warf einen flüchtigen Blick und fuhr fort. Die Wartenden taten es ihm gleich. Als wir bei ihr ankamen, lugten nur wenige neugierig herüber. Das Mädchen klammerte sich an einen 20-Rupien-Schein; ihr einfaches Outfit zeugte von bescheidenen Verhältnissen.

Ich half ihr auf und setzte sie neben den Baumstamm, der als Bank diente. Sie schwieg auf Fragen nach dem Vorfall, ihrer Familie oder Adresse. Ein Mann am Stand berichtete: Ein Mann habe sie angerempelt, geschlagen und sei geflohen. Der Teehändler ergänzte, sie wohne in der Nähe und warte auf Tee und Snacks.

Sie blickte nur mich an. Ich umarmte sie sanft und fragte erneut. Sie legte die Hände unter ihren Unterbauch, zog sie hastig weg und weinte. Mir dämmerte: Es war sexueller Missbrauch. Weinend verschwand sie.

Schockiert stand ich da. Sie blickte nicht zurück. Meine Freunde drängten zum Zug. Wir gingen – doch die Nacht ließ mich nicht schlafen. Als erfahrener Beobachter solcher Szenen in indischen Städten weiß ich: Dieser Akt raubte einem unschuldigen 10-Jährigen für immer die Kindheit. Die Narbe wird sie zeitlebens prägen.

Sie mag die Gasse meiden, den Teestand umgehen, vor Männern auf belebten Straßen zittern. Misstrauen gegenüber Fremden könnte ihre Persönlichkeit verändern. Selbst wenn sie später Mut fasst, braucht es Jahre, Erwachsene zu vertrauen. Kindheitstraumen wie dieser lösen tiefe emotionale und körperliche Störungen aus – oft lebenslang.

Wird sie je darüber sprechen? Teilt sie es der Familie? Erlaubt ihr Umfeld emotionale Offenheit? Regelmäßige Übergriffe verzerren die kindliche Sicht auf Sexualität, führen zu Stigmatisierung und belasten Beziehungen. Manche Opfern übertragen das Leid später weiter.

Ich bin kein Psychologe, doch jahrelange Beobachtung menschlicher Emotionen lehrt: Täter wie dieser – und die schweigende Masse – tragen die Schuld. Warum intervenierten die Umstehenden nicht? Ist das normal? Wir diskutieren, recherchieren – doch echte Veränderung braucht aktives Handeln von uns allen, nicht nur Institutionen.

Hätte jemand den Täter gestoppt, hätte das Mädchen gespürt: Es war nicht ihre Schuld. Es muss bekämpft werden. Ihre Augen verrieten: Sie wusste Bescheid, erwartete keine Hilfe. Vielleicht war es nicht das erste Mal. Scham trieb sie fort.

Von Rakhi Surendra Kankane