"Bhai pehchana" (Hast du mich erkannt?), fragte er, während er mir auf die Schulter klopfte. Er trug einen kleinen Jungen auf dem Arm, als wir zusammen die Bank betraten. Ich erkannte ihn sofort, sagte aber „Nein“. Ein Schauer lief mir über den Rücken, und Schuldgefühle stiegen in mir auf – Erinnerungen an einen Vorfall vor über einem Jahrzehnt.
Seine Kochkünste und der markante Schnurrbart waren unvergesslich. Mit seiner charmanten Art und einem stets freundlichen Lächeln zauberte er köstlichen French Toast als Spezialität. In der College-Kantine sorgte er dafür, dass wir alle gut aßen, bevor wir zu den Vorlesungen eilten.
Die Lieder von Kishore Kumar und endlose nächtliche Gespräche über alles Mögliche waren nur halb so spaßig ohne Ranveers Tee. Diese Abende vor 15 Jahren haben mich die Essenz der Kantinenkultur im Studentenleben lehren lassen.
„Tempo hoch hai! Tempo hoch hai!“ – der Slogan, der sich mit Beleidigungen und Gewalt mischte, wurde zunehmend lästig. Warum erkannte ich nicht, dass Slogans, Vulgarität und Gewalt kein Aktivismus, sondern Propaganda sind?
Während wir in der Kantine saßen, den 9/11-Angriff verurteilten und Chai tranken, hörte Ranveer Mohd Rafi auf seinem alten Murphy-Radio. Die Studentenwahlen standen bevor. Beteiligung ist eine Sache – mitgerissen werden eine andere. Als Junge war ich anfällig für Propaganda.
„Wo ist Ranveer?“, fragte ein athletisch gebauter Junge, der die Gruppe anführte. Er schimpfte sogar auf ihn. Als ein Senior eingriff, hatten einige bereits angefangen, Ranveer zu schlagen.
Die Gruppe eskalierte zum Mob, tanzen zu politischer Propaganda. Impulsiv ließ ich mich mitreißen und wurde Teil dieser Barbarei. Ich versteckte mich hinter Aktivisten und misshandelte Ranveer. Meine feige Tat wurde sogar als heldenhaft gefeiert. Ranveers tränenvolle Augen flehten: „Du auch?“ Bald kam das Aufsichtsteam, und er wurde ihnen übergeben.
Innerhalb von ein bis zwei Tagen war Ranveer mit ein paar Stichen wieder da und servierte wie gewohnt Tee. Er lächelte mich an: „Alles Gerüchte, politisch motiviert.“ Ich war peinlich berührt und konnte ihm nie wieder selbstbewusst gegenübertreten.
Fünfzehn Jahre später erkannte ich meinen Fehler. Ich umarmte ihn mit Tränen in den Augen und flüsterte: „Ja, Ranveer, es war alles ein Gerücht.“
- Von Naved Ahmad