Ich stamme aus einer Stadt der zweiten Kategorie und habe mein gesamtes Leben dort verbracht – von der Schulzeit bis zum Jobstart. Schon immer träumte ich davon, mit der U-Bahn zu fahren, erst zur Ausbildung und später zur Arbeit. Doch von meinem Vater erhielt ich nur ein klares Nein. Ich probierte alles: Weinen, Streiken mit Essen und Aktivitäten – nichts half. Langsam gewöhnte ich mich an mein bequemes Leben. Dann las ich 'The Palace of Illusion' von Chitra Banerjee Divakaruni. Ein Kapitel über Draupadi, die auf den Boden schlafen und einfache Kleidung tragen musste, um auf Härten vorbereitet zu sein, berührte mich tief. Es blieb mir lange im Gedächtnis. Im November 2016 erzählte ich meinem Vater die Geschichte und warf ihm vor, mich nicht ausreichend aufs Leben vorzubereiten. Ich bat darum, nach Mumbai zu dürfen, um zukunftsfähig zu werden. Ob Paanchalis Magie oder mein Karma – er stimmte zu und schickte mich jobsuchend los.
Finanziell abhängig von meinem Vater, führte ich ein extrem sparsames Leben. Budgetierung, zuvor ein Fremdwort, wurde essenziell. In meiner Heimatstadt besaßen alle ein eigenes Auto; Laufen war unnötig. In Mumbai nutzte ich alles: Rikscha, Bus, Zug, Mitfahrgelegenheiten, Taxi – sogar eine Meile zu Fuß, um 18 Rupien zu sparen.
Mein Zimmer war winzig, kaum größer als mein Bett, das ich teilte. Positiv: Wenig zu putzen. Ich wurde hitzeunempfindlich und kam bei 40 Grad mit einem Ventilator aus. Saiyam (Selbstbeherrschung), bisher nur beim Essen geübt, prägte meinen Alltag. Mit einem Pantoffel und einem Loafer reiste ich durch die Stadt, sogar Laufschuhe wagte ich.
Irritiert euch Mamas Frage nach dem Abendessen? Ich plante Frühstück, Mittag und Abend, kaufte ein. Heute schätze ich Gemüsehändler auf den ersten Blick – Inhalt und Preise. Kochen konnte ich nichts, nun könnte ich Meisterkoch werden. Mumbai lehrte mich Wäsche waschen und Schrank organisieren. Mein altes Handy mit 30 % Akku? Ich bin dankbar.
Widrigkeiten oder Chancen – mein Leben änderte sich radikal. Alleinleben brachte Tränen und Lachen, Ekel und Akzeptanz, Schwäche und Stärke. Beim Aufgeben flüsterte ich: 'Wenn Draupadi das schafft, kann ich es auch.' Diese Erfahrung machte mich bereit für alles: Ich überlebe nicht nur, ich meistere es.
(Von Juhi Jain)