Ich verspreche mir, das gute Mädchen zu sein: morgens mit positiven Gedanken über die Welt, die Umgebung und das Leben aufzuwachen. Nach vier Snooze-Alarmen springe ich um 6:16 Uhr aus dem Bett, um das Tiffin meines Sohnes zu packen. Dank der Vorbereitungen vom Vorabend ist alles in sieben Minuten erledigt. Im Schlafzimmer entscheide ich: Meinen engelsgleichen Sohn wecken oder meinen Mann anrufen, der gerade im Ausland ist? Ich hatte seinen Anruf gestern Nacht erwartet – ein universelles Drama, das alle Mütter verbindet, unabhängig von Nationalität oder Rasse. Ich lasse meinen Sohn fünf Minuten länger schlafen und wähle die Nummer. Rückblenden an meine anhängliche, vorübergehend alleinerziehende Haltung fluten meinen Kopf.
Statt eines einfachen 'Hallo, ich hab auf deinen Anruf gewartet. Wie geht's?' eskaliert es zu 'Warum hast du nicht angerufen?', als ich im Hintergrund Frauen- und Männerstimmen höre. 'Meine Zeit, die ich hätte nutzen können, schenkst du anderen', denke ich, und wieder droht etwas Gutes zu scheitern.
Wir eilen zum Sohn, erledigen den Morgenroutine. Mit einem Abschiedskuss winkt er vom Schulbus.
Zurück, um zu retten, was zu retten ist, rufe ich meinen charismatischen Mann erneut an – Segen oder Fluch, dass er immer im Mittelpunkt steht? Wir plaudern, doch er muss erst Dinge klären. Als wir richtig reden, lullt meine Stimme ihn ein. Ich lasse ihn ruhen, bereite mein Wohlfühlfrühstück vor: Chapati mit Eiern, Milch und süßem Tee. Beim Greifen nach dem Handy rutscht die heiße Tasse Tee aus der Hand. Ich stehe erstarrt inmitten von Scherben und klebrigem Chaos – plus einer leichten Verbrennung. Zerbrochene Gläser tun weher als zerbrochene Träume.
Die nächsten 10 Minuten widme ich der Küchenreinigung, koche neuen Tee und bewundere mein Werk wie Gott seine Schöpfung am siebten Tag. Doch nach 20 Sekunden ist der Boden nass: Das Rohr unter der Spüle hat nachgegeben und die Küche geflutet.
Gott gibt niemandem mehr, als er tragen kann, denke ich, wische erneut und genieße schließlich Tee und Frühstück in meiner makellosen Küche.
Beim Nachdenken über den Hausfrauenalltag frage ich mich: Wie können Hunderte solcher Aufgaben an einem Tag – und Tausende im Mutterleben – nicht als 'echte Arbeit' zählen? Eine Hausfrau leistet mehr als ich in meinem 9-to-6-Job. Warum die Undankbarkeit? Warum fehlt die Wertschätzung? Warum nennen wir sie nicht die wahren Manager und CEOs?
Auf dem Weg zum Büro, mit 6-to-9-Stunden Haushalt vor mir, blicke ich auf mein Leben: Das ist gut!
– Von Anne