Nichts ändert sich, selbst nicht im sonnigen Südafrika. Gestern drangen die Nachrichten von einem Massaker im Pulse-Nachtclub in Florida, USA, ein – einem schwulen Veranstaltungsort mit Geiselnahme und Schießerei. Hätte ich mir Sorgen machen sollen? Ja, das habe ich. Ich erinnere mich noch gut an das erste Mal, als ich von zwei Männern mit überheblichem Verständnis von 'gerader' Liebe zusammengeschlagen wurde. Sie verwehrten mir den Zutritt zu einem Club, weil ich 'durcheinander' wirkte. Sie ahnten nicht, dass echte Liebe vielfältig ist – und meine etwas Besonderes war.
Als die Schreckensnachrichten vom Pulse-Nachtclub die Bildschirme fluteten – 50 Tote, zahlreiche Verletzte –, zerbrach bei jedem Blick in meine Twitter-Timeline ein Stück in mir. Ich begann zu weinen. Der Täter wurde als Omar Mateen identifiziert, ein lokaler Terrorist, zu dem sich ISIS bekannte. Doch dann kam der nächste Schlag: Schwule Männer und Frauen in Orlando durften kein Blut spenden, um die Opfer zu helfen.
Es trifft uns queere Menschen tief. So sehr wir auch gefeiert werden, gelten wir in den Augen vieler als radikal. Ein Kuss oder eine Umarmung zwischen Gleichgeschlechtlichen ist ein Akt der Provokation, der Glauben erschüttern und Wut entfachen kann.
Wenn ich den Menschen küsse, den ich liebe, will ich, dass diese pure Emotion mich verschlingt und Einhörner erscheinen lässt. Doch in der Realität bleibt diese Freiheit uns verwehrt – nicht wegen meines Herzens, sondern weil ich schwul bin. Meine Liebe, so rein wie jede andere, wird missbilligt, ob zu Hause oder öffentlich. Ein schwuler Mensch gilt als ebenso radikal wie Mateen, der beim Anblick küssender Männer ausrastete und meine Geschwister tötete.
Wir feiern unsere Rechte in Gesetzbüchern und hinter Prominenten mit Regenbogenflaggen, doch wir werden weiter gejagt, beschimpft und geschlagen – nur wegen simpler Zuneigung in Sandton City. Wir werden beurteilt, wie wir lieben, leben und lächeln.
Wir berühren einen Nerv beim 'einfachen Volk' und zeigen, wie Liebe sein sollte: rein, glücklich, mit Einhörnern. Doch wir bleiben unterdrückt, solange wir schweigen.
Dies ist unser 11. September. Stehen Sie auf, erinnern Sie sich an die 50 Leben, die uns inspirieren und prägen. Teilen Sie glückliche Momente, überschwemmen Sie die Welt mit Einhörnern. Unser Puls schlägt weiter. Spenden Sie Blut – irgendwo braucht es es. Ändern Sie etwas, bleiben Sie stolz und entfesseln Sie die Einhörner.
- Von Naufal Khan