Wie die Mutter, so die TochterAls ich 12 Jahre alt war, brachte meine Mutter ein entzückendes Teddybär-Salz- und Pfefferstreuer-Set mit nach Hause. Die Keramikpaarung wirkte wie aus einem Roman von Enid Blyton entsprungen. Statt zierlich auf einem Teetisch mit Muffins und Croissants einer ordentlichen britischen Familie zu thronen, standen sie vor meinem Vater, der sein fluffiges, gemüsereich gefülltes Omelett mit Gabel und Messer attackierte. Entsetzt sah ich zu, wie er die Teddys kräftig schüttelte, um Salz und Pfeffer über sein natriumreiches Frühstück zu streuen.„Ich möchte, dass diese Teddys als Teil meiner Mitgift mitgeschickt werden“, platzte ich heraus. Mein Vater hielt inne und musterte mich skeptisch, doch Mama ignorierte mich wie üblich.
„Mama, ich meine es ernst. Ich will nicht, dass sie benutzt werden, bis ich heirate und in mein eigenes Haus ziehe“, insistierte ich. „Sei nicht lächerlich, Gayu“, erwiderte sie und nippte an ihrem Kaffee.
Am nächsten Tag nach der Schule fand ich die Shaker gewaschen und im Küchenschrank verstaut. Ich roch daran – sauber und frisch. Strahlend eilte ich ins Schlafzimmer meiner Eltern und drückte Mama einen fetten, nassen Kuss auf die Wange. „Für die Rettung der Teddys!“, rief ich, während sie sich lachend wehrte.
Schnell vorspulen: Heute bin ich glücklich verheiratet, habe mein eigenes Zuhause. Die allerersten Deko-Objekte? Die Teddybär-Shaker. Bei jeder Reinigung schimmert eine Träne in meinem Auge.
Meine Sofakissen gleichen denen meiner Mutter. Ich wische und staube unermüdlich, von oben bis unten, täglich. Meine Küchentheken glänzen wie Diamanten – Sie sehen Ihr Spiegelbild darin. Jahrelang habe ich über Mamas Putzobsession gelacht, doch nun bin ich genau wie sie.
Ich war immer die Pünktlichste in Klasse, Büro und Freundeskreis. Versprechen halte ich im Nu. Entscheide ich mich für eine Aufgabe, erledige ich sie im Flash-Tempo. Meine Pünktlichkeit nervt, meine Schnelligkeit meinen Mann – doch ich kann nicht anders. Ich bin Vaters Tochter: Routinefanatikerin. Jeden Abend um 21 Uhr im Bett, um 7 Uhr raus zum Joggen (oder Spaziergang, Schwimmen, Gym).
Wir sind ruhelos, Vater und ich, aber diszipliniert ruhelos. Unser Wahnsinn hat Methode.
Unsere Eltern prägen uns mit guten Gewohnheiten. Sind wir bereit, allein in die Welt zu treten? Ich sage ja – mit gelegentlicher Dosis elterlicher Unterstützung.
– von Gayatri Bhadran