Repräsentatives Bild Es war ein Montagabend wie viele andere zuvor. Ich kam gerade aus dem Büro nach Hause, doch meine Gedanken kreisten noch um offene Excel-Tabellen, enttäuschende Schlagzeilen und die Artikel, die morgen geschrieben werden mussten. Den ganzen Tag über hatten meine Finger unermüdlich über den Bildschirm meines Smartphones geglitten.
Kaum saß ich auf der Couch im Wohnzimmer, piepste eine Benachrichtigung. Ich erkannte sofort: Eine Nachricht vom Chef. Der Klingelton hatte mich verraten.
„Können Sie mir bitte eine Liste der diesen Monat eingereichten Artikel besorgen?“
Ohne Zögern griff ich zum Handy – Laptops sind überflüssig geworden. Schnell stellte ich die Liste zusammen und drückte auf „Senden“. Kaum war die Mail raus, poppte die nächste Nachricht auf:
"Beeilen Sie sich! Der SALE endet heute. Holen Sie sich Ihre Lieblingsprodukte mit 50 % Rabatt!"
Ich klickte auf den Link – und die Büchse der Pandora öffnete sich. Das Parfüm, das ich mir seit Monaten wünschte, zum halben Preis. Das Geschirr für meine frisch verheiratete Cousine unter 2.000 Rs. Und ein Rucksack, den ich nie brauchen würde, für unter 1.000 Rs. Mein Warenkorb füllte sich: Einige Essentials, der Rest für ein hypothetisches anderes Leben.
Gerade als ich zur Kasse ging und das Net-Banking-Passwort eingab – Lieferadresse natürlich das Büro –, schrillte die Türklingel. Mein Mann war da. Ich öffnete die Tür, Handy fest in der Hand.
„Hey, wie war dein Tag?“, fragte er.
„Das Übliche, das Übliche!“, murmelte ich und tippte weiter.
Wir ließen uns auf die Couch fallen, er auf sein Sofa daneben. Das Wohnzimmer hüllte uns in eine bleierne Stille, nur unterbrochen vom Piepen unserer Handys.
„Wo gibt's Abendessen?“, fragte er lauter als nötig.
„In 20 Minuten da“, checkte ich die Liefer-App.
In diesen 20 Minuten prüfte ich Dutzende E-Mails, kommentierte Freundinnen-Posts auf Instagram, retweetete Politiker zu einem kürzlichen Terroranschlag und spendete für die Opfer. Ich chattete mit einer Freundin auf einem anderen Kontinent, äußerte politische Meinungen und engagierte mich sozial – alles vom Sofa aus, in absoluter Stille. Mein Mann tat dasselbe, vermute ich.
Früher hallten abends Lachen und Geplänkel durchs Wohnzimmer. Als Kind faszinierten mich die lebhaften Gespräche der Älteren – Quelle saftigen Klatschs. Kein Wunder, dass Mama mich damals mit Besorgungen oder Hausaufgaben wegschickte.
Die Stille brach die Türklingel erneut. „Ich geh schon“, sagte er. Es war der Lieferbote mit unserem Essen.
Wir aßen schweigend. Danach fiel mir ein, dass ich wochenlang keine Rabatte bei Lieferdiensten gecheckt hatte. „Essen gut? Sollen wir bewerten?“, fragte ich. Er nickte nur.
Ein Montagabend wie viele andere zuvor.