Repräsentatives BildSchließlich sagte sie mit zitternder Stimme: „Ich liebe dich. Aber ich weiß, dass ich den klassischen Fehler gemacht habe – zu lange gewartet.“ Der Kloß in ihrer Kehle war unüberhörbar.
Ich konnte mir ihr hübsches Gesicht vorstellen: Haar nach hinten gebunden, tiefe Augen, die in letzter Zeit kaum Schlaf gefunden hatten. Feucht und voller Tränen, die sie mit enormer Willenskraft zurückhielt.
Die Worte fehlten mir. Ich hielt das Telefon ans Ohr, starrte in den leeren Nachmittagshimmel und versank in Gedanken.
„Bitte hasse mich nicht! Ich weiß, heute ist deine Hochzeit, und das ist das Letzte, was du hören willst… (schnieft) … Aber ich konnte mich nicht mehr wehren. Ich musste es sagen, bevor ich dich für immer verliere.“ Ich spürte genau, was sie fühlte – nach einem Jahrzehnt der Verliebtheit.
Ich hatte ihr meine Gefühle gestanden, doch sie hatte gelacht. Wir waren zu enge Freunde für eine Romanze. Als sie mir von ihrem Partner erzählte, war der Schmerz echt. Nächte voller Fantasien und düsterer Pläne – doch das war nicht ich.
Wie die weisen Sprichwörter sagen: „Du schätzt nie, was du hast, bis es verloren ist.“ Nun fühlte sie es.
„Du da drüben? Sag doch etwas“, bat sie weinend.
„Ich könnte dich nie hassen – ich habe dich zu lange geliebt. Ich kenne diese Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit. Aber du hast recht: Es ist zu spät.“ Die schwersten Worte meines Lebens.
Sie hörte still zu, vielleicht getröstet, dass sie sich nicht mehr verbergen musste.
„Ich liebe dich immer noch und werde es immer tun. Aber eine Beziehung über Freundschaft hinaus ist nicht für uns. Ich habe weitergemacht, ein wunderbares Mädchen gefunden, das ich liebe und respektiere. Heute halte ich mein Versprechen.“ Mein Herz wusste: Das war richtig.
„Ich verstehe. Ich erwarte nicht, dass du sie meinetwegen verlässt. Ich hatte meine Chance.“ Ihre Stimme beruhigte sich.
„Danke, dass du es gesagt hast. Nun kann ich in Frieden leben, wissend, dass du mich liebst.“
„Liebe. Nicht geliebt. Ich liebe dich noch immer und will dir nicht schaden. Du musst nicht mehr mit mir reden.“
„Das wäre schlimmer. Ich brauche Zeit, aber ich lasse dich nie fallen. Wir können keine normalen Freunde sein, doch diese besondere Bindung bleibt – namenlos, unverständlich für andere.“
„Ja, das wäre schön. Ich kenne unsere Grenzen und überschreite sie nie.“ Hoffnung schwang mit.
„Gut. Pass auf dich auf. Ruhe dich aus, tu nichts Dummes.“
„Versprochen“, hauchte sie und legte auf.
Jahre später: Ich genieße eine glückliche Ehe mit gesunder Spannung. Gleichzeitig pflege ich eine einzigartige Freundschaft zu ihr. Wir treffen uns selten, haben keine Affäre – doch wir wissen, wir lieben uns.
Es ist einfach eine andere Art von Liebe.
– Von Shahid Kazi