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Nicht jeder Sieger verdient die Trophäe: Eine Kindheitserinnerung

Nicht jeder Sieger verdient die Trophäe: Eine KindheitserinnerungRepräsentatives Bild
Ich war zu jung, um die wahre Bedeutung des Gewinnens wirklich zu begreifen. Doch alt genug, um zu wissen, dass ich nie das 'gute' Kind sein würde, das meine Eltern sich wünschten – ohne Top-Noten und den ersten Platz in der Klasse.

In meiner Kindheit definierte man ein 'braves' Kind durch schulische Leistungen, den richtigen Umgang und gehorsam, wie das Trinken von Milch ohne Murren. Für mich war Letzteres am schwierigsten, doch ich bemühte mich um gute Noten und genehmigte Freunde, um meine Eltern glücklich zu machen. Diese Geschichte dreht sich jedoch ums Gewinnen.

Im dritten Schuljahr reichte mir der Zweite Platz nicht. Der Druck stieg: '95 Punkte in Mathe sind nicht genug', 'Wenn er 98 schafft, kannst du das auch', 'Trink mehr Milch, das schärft den Verstand.' Ich fühlte mich gefangen zwischen Mathe und Milch.

Je näher die Prüfungen rückten, desto unsicherer wurde ich. Ich suchte Trost in der Religion und betete jede Nacht um ein Wunder, das mir bessere Noten als dem Klassenbesten einbrächte.

Die Prüfungen kamen. Meine Eltern begleiteten mich, meine Mutter band mir zwei Zöpfe, damit kein Haar mich ablenkte. Vor dem Fragebogen betete ich: 'Bitte Gott, lass ein Wunder geschehen. Lass mich in allen Fächern die Besten sein.'

Die sieben Tage verflogen, Winterferien begannen. Die Lehrerin kündigte an: Ergebnisse in 20 Tagen abholen. Zu Hause war ich zwiegespalten – glücklich, aber angespannt.

An dem Tag kamen wir früh, doch die Schule war voll. Nach einem Glas Milch erreichten wir den Lehrertisch, mir war übel vor Aufregung.

'Herzlichen Glückwunsch!', lächelte die Lehrerin. 'Danke, Fräulein', murmelte ich. Sie gratulierte überschwänglich: 'Du hast es super gemacht – du bist Erster!' Meine Knie gaben nach, meine Mutter umarmte mich. Endlich!

Beim Abholen der Anweisungen für die nächste Klasse sah ich ihn: den bisherigen Klassenbesten neben seinen Eltern. Ich lächelte triumphierend, doch die Lehrerin bemerkte es: 'Armes Kind, er verpasste die letzte Arbeit wegen Masern kurz vor den Prüfungen. Er wiederholt sie nächste Woche. Er ist brillant.'

Das Zeugnis fühlte sich plötzlich schwer an. Ich war zu jung, um zu verstehen: Nicht jeder Gewinner verdient die Trophäe.