Paris wurde für mich zum Ort des Neuanfangs. Ich aß Rosenkohl aus der Dose in einem Zimmer am Boulevard St. Michel, das ich mir teilte. Die Aussicht auf den Boulevard, der sich um die stoischen Tore und den Eingang des Luxemburger Gartens schlängelte, war täglich atemberaubend.
Zu Beginn stank mein Zimmer nach diesen Mahlzeiten – weiche grüne Bällchen in einer gelbbraunen Lake, die an Teichwasser erinnerte und mir unauslöschlich im Gedächtnis blieb. Meine Jagden nach Dosen in den umliegenden Supermärkten waren beschämend, doch dieses Wagnis markierte einen Durchbruch.
Mittags war ich oft erschöpft. Ein Mann, den ich in Paris kennengelernt hatte, riet mir, einfach ein Sandwich in der nahegelegenen Bäckerei zu kaufen – günstig und lecker. Seine harmlose Geste traf mich tief, denn zu jener Zeit konnte ich mir keine richtige Mahlzeit leisten.
Manchmal male ich mir ein Bild von einer jungen Frau, die alles mit ihrem Leben anfangen könnte, es aber ablehnt. Stattdessen isst sie Dosengemüse am offenen Fenster des Boulevard St. Michel, wo sie früher mit ihren Eltern Schokoladencroissants und eine große Portion Thunfisch-Niçoise mit extra Dressing genossen hatte.
Es zerreißt das Herz, wenn wir die Freuden unserer Vergangenheit nicht mehr genießen können – besonders, wenn wir selbst dafür verantwortlich sind. Doch der erste Schritt zur Selbstvergebung, die verlorene Zeit anzuerkennen, ist schon ein Segen.
Als ich mich nicht länger verstecken und aus Dosen essen wollte, war das erste Restaurant in Paris ein äthiopisches.
Seither denke ich bei Paris unwillkürlich an Äthiopien – an dieses Lokal, wo ich alles mit den Händen aß, wie eine Verhungernde, wie ein Kind.
Blattkohl und gelbe Erbsen, gedämpfter, gewürzter Kohl, zerkleinertes Fleisch, Hühnerknoblauch mit Petersilie. Dieses Abendessen werde ich nie vergessen.
Die Sauce aus grünem Chili und schwarzem Pfeffer, aufgesogen mit dem sauren Injera-Brot. Finger ablecken, Honigwein trinken – Erinnerungen, die durch diese Tat süß wurden.
Für niemanden war dieses Restaurant so lebensverändernd wie für mich. Dieser Abend markierte meinen Wendepunkt, den Beginn einer besseren Beziehung zu mir selbst.
(Von Chelsea Leigh Trescott, Autorin und Expertin für persönliche Transformation durch reale Lebenserfahrungen)