Kann ich mit meinem verheirateten Ex-Freund befreundet sein? (Bild: Shutterstock) Frage: Ich bin eine 27-jährige berufstätige Frau. Ich war zwei Jahre mit einem Mann zusammen, doch aufgrund familiärer Probleme seinerseits musste er heiraten. Wir trennten uns einvernehmlich und gingen getrennte Wege. Dennoch bleiben wir in Kontakt. Er vertraut mir seine ehelichen Probleme an, holt sich Rat und ruft an, wann immer es ihm passt. Seine Frau weiß nichts von unserer Freundschaft oder der früheren Beziehung. Sind wir nur Freunde – oder betrügen wir sie damit? Sollte ich den Kontakt fortsetzen? Antwort von Zankhana Joshi, beratender Psychologin: Eine Freundschaft mit einem Ex-Partner kann kompliziert sein. Manche Paare meistern es mühelos, andere leiden darunter. Es gibt keine pauschale Antwort, ob das gesund ist. Wichtig ist eine ehrliche Betrachtung aller Aspekte – und genau das tun Sie richtig, indem Sie externe Perspektiven einholen.
Grundsätzlich bringt eine Beziehung oft tiefe Kompatibilität mit sich, die durch äußere Faktoren wie familiäre Zwänge scheitern kann, wie in Ihrem Fall. Bei sensibler Handhabung kann daraus eine Freundschaft entstehen. Entscheidend sind jedoch, wie beide mit der Trennung umgegangen sind und welche Motive den Kontakt aufrechterhalten.
In meiner langjährigen Praxis als Psychologin in Mumbai sehe ich, dass Freundschaften mit Ex-Partnern besonders dann gelingen, wenn die Trennung einvernehmlich war, die Beziehung mehr freundschaftlich als leidenschaftlich geprägt oder beide emotional gewachsen sind. Hier gibt es ein Gefühl des Abschlusses. Bei Ihnen scheint das vielleicht nicht zutreffen.
Sie sagen, Sie sind beide weitergezogen. Häufig bleibt der Kontakt aber bestehen, weil der Abschluss fehlt – ungelöste Liebe oder Angst vor dem Verlust verhindern das Loslassen. Wenn das auf Sie zutrifft, rate ich dringend zum Abbruch. Solcher Kontakt nährt falsche Hoffnungen und blockiert neue Beziehungen. Seine Beratungssuche bei Ihnen verstärkt zudem Abhängigkeiten. Bleiben Sie in der Vergangenheit stecken, fällt es schwer, in die Zukunft zu blicken.
Auch nach einvernehmlichen Trennungen braucht es Zeit, um Gefühle zu verarbeiten, den Verlust zu trauern und von der Paar- zur Individualidentität zu wechseln. Distanz schafft Klarheit, ermöglicht gesunde Trauer und fundiertere zukünftige Beziehungen.
Wollen Sie die Freundschaft wirklich? Warum teilt er sie dann nicht mit seiner Frau? Liegt eine ungelöste Angelegenheit vor? Vollenden Sie Ihre emotionale Arbeit, statt sich hinter 'Freundschaft' zu verstecken. Seien Sie ehrlich zu Ihren Motiven – wählen Sie, was Ihr Wohlbefinden stärkt.
Beziehungen und Freundschaften brauchen zwei engagierte Menschen. Wählen Sie aus den richtigen Gründen!
Zankhana Joshi ist eine erfahrene beratende Psychologin und Tanzbewegungstherapeutin in Mumbai.
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